Roland Gröger und sein Trainer Daniele Biffi: DER WELTREKORD WAR GEPLANT

Matteo SIMONE Psychologe: Roland Gröger läuft die 400 Meter Indoor in 51 „92 und damit stellt er einen neuen Weltrekord Indoor M50. Roland ist der erste Leichtathlet M50 in der Geschichte der unter 52″00  gelaufen ist , was eine enorme Verbesserung von 0,47 “ im Vergleich zu seinem Weltrekord in 2015 (52″ 39)  ist. Er ist auch Weltrekordhalter bei den 400-Meter-Außen mit einer Zeit von 51″ 02 im August 2016 gelaufen.

Für seinen Trainer Daniele Biffi, ist es eine sehr große Freude, zu diesen großartigen Leistungen beigetragen zu haben.

Hallo Daniele, wie ist es gelaufen für dich und deinen Athleten? „Es ist noch über meine hohen Erwartungen gelaufen! Der Indoor-Weltrekord war unser Ziel in diesem Jahr. Ich wusste, dass er seine 52 „39 verbessern könnte

Beim Training in den letzten Wochen sah alles sehr gut aus. Die letzte Saison war lang und endete für Roland erst im November durch die Weltmeisterschaft  in Perth. Deshalb lag die Priorität in den letzten Monaten auf seiner Regeneration, viel Ruhe, um die Batterien wieder aufzuladen. Das haben wir dann auch gemacht. Roland ist immer vorsichtig und sehr präzise beim Training. In den letzten Wochen war er gut beim Training und ich wusste, dass der WR möglich war. Roland wollte nicht die 400m laufen.

Ich habe ihm gesagt: „Mein Lieber, du bist ein 400m Läufer, du läufst bitte die 400m. Das ist gut für dich. Danach kannst du gerne 200m & 60m laufen, wie du es gerne möchtest.“

Roland und ich wussten, dass er in diesem Jahr die 400m in der Halle unter 52″00 laufen könnte. Das er diese Zeit dann schon beim ersten Wettkampf erreicht hat, war wirklich erstaunlich und hat meine höchsten Erwartungen übertroffen.“

PsychologeDie Zusammenarbeit zwischen Athlet und Trainer, gemeinsame Ziele haben, die Form vor einem großen Wettkampf zu testen, die Form zu planen, die Vorbereitung und wenn dann die Erfolge kommen, ist es eine immense Freude für beide. Man freut sich über die  Ergebnisse, das gehört beiden. Es ist ein sehr gutes Bündnis und das Ergebnis von Vertrauen, Unterstützung und gemeinsamer professioneller Arbeit.

Jubeln, Unterstützung, Freunde, wie war´s?  „Wenn Roland läuft zieht er immer eine Menge Aufmerksamkeit auf sich. Es gab viel Jubel, das habe ich erst auf den Video festgestellt, denn während des Rennens habe ich nichts gehört. Nach dem Rennen haben wir etliche Komplimente von vielen Leuten bekommen, der Sprecher verkündete den neuen Rekord und Roland war auf dem Podium obwohl er auf dem 7. Platz war.

Die Organisatoren haben extra ein Zertifikat gedruckt mit dem Ergebnis als Erinnerung:

Dieses Stück Papier so ist viel wert für uns!

Psychologe: Nach so viel Mühe, so vielen Trainingseinheiten, einer so harten Phase, ist es jetzt Zeit zu genießen, zu jauchzen und die immense Freude auszulebenDas ist die Zeit, die Sie in vollen Zügen auskosten und so lange wie möglich halten müssen. Man muss diese Erfolge speichern durch intensive Emotionen.

Wann sind die nächsten Wettkämpfe, welche Ziele habt ihr? „Das nächste Rennen sind die Meisterschaften in Berlin am 12. Februar, dann 400 m zu einem Treffen und dann die Deutsche Meisterschaft. Im April findet in Südkorea die WM statt, wo Roland 60, 200 und 400 m laufen wird. Als Ziel hatten wir seinen eigenen WR in der Halle zu verbessern und unter 51 „ zu laufen.

Diese Ziel haben wir schon erreicht, jetzt können wir der 51″92 noch verbessern.

Es bleiben die Ziele:

Deutschen Hallen-Rekord 200 m (mit 23“ 49), Hallen-Europa Rekord 200 m (23″26), seinen deutschen Rekord über 100 m zu verbessern (11 „47) und endlich den 30 Jahre alten Handzeit-Rekord (11.2 = 11“ 44) zu knacken. Den deutschen Rekord über 200 m (mit seinen 23 „15, in Perth 22 „97 + 3“ 8 ) und Traumziel ist, dass Roland der erste in M50 unter 50 laufen kann. Und natürlich so viele Goldmedaillen zu gewinnen, wie möglich.

Kurz gesagt, wir haben mehrere Ziele!

Was bedeutet es, Trainer eines Rekordmanns zu sein? „Eine Mischung aus Stolz, Freude und Verantwortung. Rekordhalter ist Roland jetzt. Als wir vor 4 Jahren begonnen haben, war er Zweiter in Berlin auf 100 m. Damals wollte er die Berliner Meisterschaften gewinnen, wurde aber nur Zweiter.

Gerade wegen dieser Niederlage hat Roland dann einen Trainer gesucht. Er wollte die Berliner Meisterschaften gewinnen und er hatte sich bei mir vorgestellt. Glaube mir, er hat sich vorgestellt und hatte zu mir gesagt, dass er ein Sprinter ist, der 60 m und 100 m gut laufen kann. Manchmal läuft er auch die 200 m.

Ich fragte: „Und die 400 m?“ – Roland „Nein, nein, die 400 m sind absolut nichts für mich!„, sagte er fast erschrocken. Wir sind zusammen gewachsen und je mehr ich Roland trainierte, desto klarer wurde mir, dass seine „Spezialität“ die 400 m sind. Ich musste ihn einfach davon überzeugen!

Vor zwei Jahren, mit 50 Jahren, lief er 52 „47 (der schnellster M50 Zeit des Jahres in den ganzen Welt!) obwohl wir die 200 m vorbereitet hatten: genau dann habe ich geschafft Roland zu überzeugen. Wir haben dann angefangen die 400m richtig zu vorbereiten, 4 Monate später ist er seinen ersten WR auf 400 m Indoor gelaufen.

Seitdem bereiten wir die 400 m vor. Es ist wirklich toll zu sehen, welche Leistungen Roland läuft. Weisst du, eine Sache ist, wenn man anfängt, einen bereits starker Athleten zu trainieren, der vielleicht auch schon einen Rekord geschafft hat. Eine andere Sache ist es aber mit einem Athleten „von unten“ zu starten.

Der Trainer von Roland zu sein, ist für mich eine sehr große Freude. Zu sehen, dass er solche überwältigenden Leistungen bringt, macht mich für ihn sehr glücklich. Ich fühle die Verantwortung, ihn auf die bestmöglichste Art und Weise zu trainieren. Dies ist für mich eine tolle Motivation, immer wieder zu testen und zu suchen, was wir noch verbessern können.

Die Details und die Einzelheiten genau zu beleuchten und zu verbessern (die sind wichtig), um uns weiter nach Vorne zu bringen. Und natürlich möchte ich mich auch selbst, als Trainer, ständig weiterentwickeln und verbessern. Ich lerne permanent dazu, um mehr Wissen und Kenntnisse zu erwerben. Dieses Wissen bauen ich dann in die Trainings ein.

Das Ziel ist, dass perfekte Training für Roland zu entwickeln (Das beste individuelle Training, ist das Ziel, für alle meine Athleten!) Die Ergebnisse machen mich auch persönlich stolz.

Noch stolzer bin ich auf Roland. Er ist wirklich sehr Wettkampfstark, intelligent und hat einen starken Willen. Es ist eine große Freude ihn zu trainieren und zu coachen. Er tut wirklich alles, was ich ihm vorschlage, vom Training, bis zur Ernährung und zum Mental-Coaching. Das ist seine Stärke und für mich perfekt.

Das macht mich auch verantwortlich und ich weiß auch, dass ich sehr achtsam sein muss, wenn ich ihn berate. Ich muss sicher sein, dass das, was ich ihn empfehle, auch wirklich gut für ihn ist.

Roland ist ja mein Athlet und auch ein guter Freund für mich. Ich habe ihn sehr gern und wenn wir trainieren, sind die Rollen ganz klar. Wir haben eine Menge Spaß und sind immer sehr konzentriert. Wenn dann das Training beendet ist, nehmen wir die Spikes raus, ich lege die Stoppuhr weg und wir genießen die Endorphine als gute Freunden.

Das ist unsere Stärke.

Psychologe: Probleme können kommen, Niederlagen und die Lust auf Wettkämpfe lässt vielleicht nach. Wenn du Fehler reflektieren kannst und Wettkämpfe Stück für Stück analysieren kannst, hast du gute Voraussetzungen auch schwierige Zeiten zu meistern. Wichtig ist, wie man damit umgeht? 

Für einen Trainer wird es immer schwieriger einen Rekordhalter weiter zu trainieren, auch weiterhin besser zu machen. Man kann einen Rekord schaffen, es ist dann schwierig, weiterhin den Athleten zu motivieren. Man muss es wagen, die Stange immer wieder etwas höher zu positionieren, um neue Rekorde zu schaffen.

Welche psychologischen Mechanismen helfen einen Rekordhalter zu trainieren? „Entschlossenheit, Leidenschaft und mein „Dickkopf“ helfen mir sehr.

Ich bin ein Perfektionist und als Coach gebe ich immer 100%. Meine Athleten fordere ich auf, das Gleiche zu geben und manchmal sogar mehr. Das weiß Roland. Er hat mich als Trainer von Anfang an akzeptiert und vor allem, hat er akzeptiert, wie ich bin. Er hatte immer Vertrauen in mich gehabt (dafür bin ich ihm sehr dankbar) und macht immer nur das, was ich ihm sage.

Das macht unseren Erfolg aus und ist für mich absolut entscheidend, um eine gute Beziehung mit meinen Athleten zu haben – ich brauche Vertrauen. Ich denke, Roland hat jetzt absolutes Vertrauen zu mir und das ist fantastisch für mich. Ich fühle auch eine große Verantwortung und die gibt mir eine große Motivation es noch besser zu machen – ich liebe Herausforderungen.

Ich bin ziemlich genau: Zeiten, Gewichte, Pausen, Intensität, Technik, etc.. Ich erwarte, dass das Training bis zur Perfektion ausgeführt wird und bin sehr aufmerksam auch bei allen Details. Denn das ist es, was den Unterschied ausmacht.

Manchmal bin ich ziemlich unversöhnlich und kann auch etwas barsch werden. Zum Beispiel, wenn ich Sachen sehe, die ich überhaupt nicht sehen möchte. Manchmal entdecke ich die sogenannte „Komfort-Zone“, also wenn ich sehe, dass die Athleten es besser tun könnten oder mehr machen könnten, als was sie zeigen. Dann reagiere ich sofort darauf.

Roland ist sehr aufmerksam, er versteht mich sofort und reagiert optimal. Wenn die Dinge nicht so laufen, wie ich es sage, kann ich sehr ungeduldig werden. Ich weiß, dass ich manchmal nicht so einfach bin.

Es gibt immer zwei Aspekte – Roland hat viel von mir gelernt und ich habe viel von ihm und mit ihm gelernt. Dafür bin ich ihn sehr dankbar. Ich versuche in jeder Situation, die beste Lösung für Roland zu finden, für sein Training und für unsere Beziehung.

Die Emphatie ist sicherlich wichtig, um zu verstehen, wie meine Athleten empfinden und was sie brauchen. Die persönlichen Motivationen und Prioritäten zu kennen ist sehr bedeutend.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch, dass wir sehr viel Freude und Spaß haben. Mit Roland haben wir immer viel Spaß. Am Anfang unserer Geschichte war ich im Training immer schneller als er. Ich sagte dann immer, dass er eines Tages vor mir sein würde aber Roland wollte es mir nicht glauben. Jetzt jage ich ihn im Training mit dem Fahrrad! “

Psychologue: Alles ändert sich, was einen Anfang hat hat auch ein Ende. Es ist wichtig, ihre eigenen Fähigkeiten und Grenzen bewusst zu sein, wichtig ist Sie zu akzeptieren.

Die Schüler können eines Tages besser als der Lehrer werden, gibt es immer eine Weitergabe von Informationen und Know-how zwischen Lehrern und Schülern Der Lehrer soll stolz sein müssen, wenn der Student ihn überholt weil es bedeutet, dass er ein guter Lehrer ist.

 

 

Matteo SIMONE

Psicologo, Psicoterapeuta Gestalt ed EMDR

WWW.FASTANDFIT.DE

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s