REISELEKTÜRE FÜR DEN SOMMERURLAUB| BY ANTJE WALDSCHMIDT

Hallo,

eigentlich erzähle ich an dieser Stelle von Reisen, aber da in diesem Jahr vieles anders läuft, möchte ich euch auf eine Bücherreise mitnehmen. Ob heiter bis komisch auf die Insel Sylt, philosophisch nach Tibet, auf Mission in Südostasien, auf der Suche nach dem ewigen Leben oder auch blumig um die ganze Welt – hier ist Reiseliteratur* für jeden Geschmack dabei.

Sommer, Urlaub – endlich Zeit zum Lesen?! Braucht Ihr noch Anregungen für die Reiselektüre? Ich habe mich durch eine ganze Reihe Neuerscheinungen gelesen bzw. gehört und möchte euch diese Reiseromane- und berichte vorstellen.

Im Wartezimmer der Unsterblichkeit – Ein Reisebericht aus der Welt von morgen (Buch) Autor: Alberto Giuliani, Verlag: Kösel – Erschienen: 30. März 2020

Worum geht’s? Ein Brahmane prophezeit dem Journalisten Alberto Giuliani, dass er im Alter von 43 Jahren sterben wird. Nur ein Mann aus der Zukunft wird ihm vor diesem Schicksal bewahren können. So kommt es, dass sich Giuliani auf eine Reise um die Welt begibt, die ihn mit Vordenkern und Wissenschaftlern zusammenbringt. Er geht der Frage nach, was wir bereit sind für die vermeintliche Unsterblichkeit zu zahlen, aber vor allem, ob es sich wirklich lohnt nach dieser zu streben …

Wohin geht’s? USA, Japan, Südkorea, China, UK, Norwegen, Russland …

Mein Fazit: Wunderbare Science-Fiction-Reisebeschreibung: Giuliani nimmt uns mit in die entlegensten Winkel der Erde, sei es nach Ny-Ålesund, eine der nördlichsten Siedlungen der Erde, eine NASA-Station auf Hawaii, die auf das Leben auf dem Mars vorbereitet, in die Tier-Klonanlage Sooam Biotech in Südkorea oder in ein Hotel nach Nagasaki, das von Humanoiden geführt wird. Das Spannende an Giulianis Erzählungen sind die persönlichen Schicksale der Menschen, auf die er trifft, gleichermaßen aber auch die Absurdität vieler Projekte, die er besucht. Vorsicht: Teilweise wird’s richtig schräg! Die Hintergrundinformationen sind interessant, sollten jedoch mit einem kritischen Auge betrachtet werden. Großartig sind die bildhaften Reisebeschreibungen, in denen der Autor mit uns durch die leere Innenstadt von Detroit schlendert oder uns an Russlands größten See, den Baikalsee, mitnimmt – tolle Reisefotografien inklusive!

Der Kaufmann und der Rinpoche (Buch) Autoren: Aljoscha Long, Ronald Schweppe, Verlag: Diederichs, Erschienen: 02. März 2020

Worum geht’s? Der junge Tibeter Dorjee wurde als Sohn eines Hirten geboren, strebt aber nach mehr – immer höher, weiter, schneller. Und das gelingt ihm auch: Dorjee wird Kaufmann und erlangt politische Macht. Im Kontrast dazu steht das Leben seines weisen Freundes aus Kindheitstagen, Sonam. Auch er ist Sohn eines Hirten, widmet sein Leben aber den Lehren Buddhas. Er wird Mönch. Im Gegensatz zu Dorjee reist er nicht um die Welt, seine Reise führt nach innen, ins Herz. „Der Kaufmann und der Rinpoche“ erzählt die Geschichte um diese beiden tibetischen Jungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, von Kindheitstagen bis zum Tod von Dorjee. Als dieser im Sterben liegt, lässt er nach seinem Freund den Mönch rufen, damit dieser ihm aus dem Tibetischen Totenbuch vorliest. Er hofft darauf, dass der Mönch ihn auf der beschwerlichen Reise durch die Zwischenwelt leitet. Denn Dorjee hält am Leben fest und möchte eine gute Wiedergeburt erlangen …

Wohin geht’s? Tibet (AGT), China, Indien

Mein Fazit: Dem Autorenduo Long und Schweppe – Experten in den Bereichen Psychologie, Philosophie, fernöstliche Kampfkunst und Meditation – ist mit diesem Roman ein spannendes, aber vor allem raffiniertes Werk gelungen. Man muss nicht besonders spirituell sein, um zu verstehen, dass der Mönch seinen inneren Frieden gefunden hat, während der Kaufmann am Ende seines Lebens zwar allerlei Materielles angehäuft, aber nicht zu sich selbst gefunden hat. Long und Schweppe betten diese simple Geschichte wunderbar in die große Weltgeschichte ein, nämlich jene von Tibet und China. Der interessierte Leser kann aus „Der Kaufmann und der Rinpoche“ nicht nur allerlei Tragisches, Nützliches und Wissenswertes über Tibet lernen und mit Erschaudern feststellen, dass der Dalai Lama nun bereits mehr als 60 Jahre im Exil sitzt (!), sondern auf einfache Weise auch eine Einführung in den tibetischen Buddhismus erlangen.

Das Buch der Blumen (Buch) Autorin: Beate Rygiert, Verlag: Arche, Erschienen: 13. März 2020

Worum geht’s? Schriftstellerin und Blumenliebhaberin Beate Rygiert gibt in dem „Buch der Blumen“ das Versprechen den schönsten Blumenstrauß zu ersetzen, zudem kann ihr Werk nicht welken. In zwölf Kapiteln stellt die Autorin dreizehn Blumen vor: Von der Königin unter ihnen, der Rose bis hin zum Heil- oder Unkraut (je nachdem, wer es wie betrachtet) oder dem Gänseblümchen, Chronistin Rygiert führt bezaubernd in die wundervolle und teils kuriose Welt der Blumen ein.

Wohin geht’s? China, Japan, Bolivien, Mexiko, Indonesien, Südafrika, Portugal, Niederlande, usw.

Mein Fazit: Anhand von Anekdoten, geschichtlicher Einordnung und allerlei Botanik-Wissen, stets gepaart mit einer persönlichen Note, nimmt Rygiert die Leser auf eine faszinierende Blumenreise um die Welt mit. Am Rande gibt’s noch ein paar Tipps, wo hierzulande die schönsten der vorgestellten Blumenexemplare besichtigt werden können, so z.B. im Botanischen Garten Berlin oder im sächsischen Schloss Pillnitz. Rygierts Blumenplausch ist kurzweilig, interessant und ihr Schreibstil sehr bildhaft. Wer sich ein paar gemütliche Stunden in die Blumenwelt träumen möchte, dem lege ich dieses blumige Buch ans Herz.

Zwei Wochen im Juni (Buch) Autorin: Anne Müller, Verlag: Penguin Verlag, Erschienen: 27. April 2020

Worum geht’s? Was bleibt, wenn die Familie zerbricht, wenn sich der Anker lockert, der die Familie zusammenhält? Die Schwestern Ada und Toni treffen sich nach dem Tod der Mutter in ihrem Elternhaus an der Ostsee – zwei Wochen im Juni, der Titel ist Programm. Die Schwestern wollen das Haus leer räumen, um es zu verkaufen. Während die Anfang vierzigjährige Ada, als Künstlerin und Single ein recht freies Leben führt, hat ihre ältere Schwester Toni einen Mann, zwei Kinder, und neben ihrer Lehrtätigkeit allerlei Verpflichtungen. Es scheint als haben sich die Schwestern seit dem Auszug aus dem Elternhaus noch weiter auseinandergelebt und treffen nun als Geschwisterpaar am Ort ihrer Kindheit wieder zusammen. Erinnerungen keimen auf. Sie führen nicht nur dazu, dass sich die Schwestern wieder annähern, sondern auch, dass sie ihr eigenes Leben überdenken …

Wohin geht’s? In die Vergangenheit und Ostseeluft schnuppern …

Mein Fazit: „Zwei Wochen im Juni“ ist ein leiser Roman, der uns die Zerbrechlichkeit unserer eigenen kleinen Welt aufzeigt, wenn diese aus den Fugen gerät, wenn nichts mehr so ist, wie es einmal war. Es ist aber auch ein Roman, der zum Nachdenken anregt, wo wir im Leben stehen und ob der von uns eingeschlagene Weg sich vielleicht nochmal ändern lässt. Und es ist eine Geschichte über das Abschiednehmen, eine Geschichte, die einen Wendepunkt im Leben anspricht, an den wir wohl alle irgendwann einmal gelangen werden. Ein Roman mit Nachhall, der in wunderbare Worte verpackt ist und sich schön liest. Definitiv kein Reiseroman, sondern ein zarter Familienroman, der sich dafür eignet an der Ostsee gelesen zu werden (-;

Übermorgenland: Eine Weltvorhersage (Buch) Autor: Markus Spieker, Verlag: fontis, Erschienen: 07. Februar 2019

Worum geht’s? Die Welt ändert sich. Und nirgendwo so radikal wie in Asien. Als Leiter des ARD-Studios Neu Delhi hat Markus Spieker vier Jahre von den Frontlinien des Wandels berichtet: in einem Gebiet rund um Indien, in dem fast zwei Milliarden Menschen leben. Er ist durch Afghanistan gereist, durch Rohingya-Flüchtlingscamps gelaufen, hat sich aber auch in den Hightech-Metropolen Shanghai, Singapur und Seoul umgesehen. Spieker präsentiert zwanzig Top Trends der Weltentwicklung, darunter einige überraschende: Trotz aller Schwierigkeiten wird die Sicherheitslage insgesamt besser, nimmt das Bildungsniveau weltweit zu. Nichts boomt so sehr wie die Religionen, allen voran das Christentum. In einer Zeit, in der sich alles ändert, zählt das Bleibende und ist Tradition der neue Fortschritt. Eine Zukunftsschau, die nicht auf Theorien beruht, sondern auf Erste-Hand-Begegnungen rund um die Welt.

Wohin geht’s? Afghanistan, Bangladesch, Südkorea, Indien, Nepal, Singapur, Sri Lanka, usw.

Mein Fazit: Eine interessante Weltvorhersage, die leicht, locker und angenehm zu lesen ist. Spieker gelingt es Weltgeschehnisse und politische Veränderungen, bespickt mit kurzweiligen Unterhaltungselementen, interessant zu verpacken. Das Buch liest sich – auch für all jene, die weniger Ahnung von internationaler Politik und Zusammenhängen haben – sehr flüssig und ist leicht verständlich. Erschienen ist „Übermorgenland“ im christlichen fontis-Verlag, was nahe legt, dass dem Christentum in dieser Weltvorhersage eine besondere Bedeutung zukommt. Stellenweise zieht Spieker die Trennlinien zwischen den Religionen für mich sehr scharf und stellt Zusammenhänge her, die nicht eindeutig sind bzw. pauschalisiert. Wer das Buch jedoch mit kritischem Blick liest und sich nicht daran stört, dass Spieker sich nicht auf Theorien, sondern reine Empfindungen und Erfahrungen stützt, ebenso wie auf eine christliche Weltsicht, der kann auf eine interessante weltpolitische Reise nach Südostasien und in die Zukunft gehen – aussagekräftige Reisefotografien inklusive.

Kein Tee mit Mugabe: Mit dem Rucksack durch das südliche Afrika (Buch) Autorin: Antje Waldschmidt, Verlag: edition oberkassel, Erschienen: 18. April 2019

Worum geht’s? Um eine dreiwöchige Backpacker-Reise durch das südliche Afrika. Die Autorin ist mit der Region und ihren Bewohnern gut vertraut und erzählt auf humorvolle Weise von ihren Erlebnissen und Erfahrungen. Dabei spielt sie mit einigen der typischen Klischees, mit denen afrikanische Länder südlich der Sahara in der „westlichen Welt“ behaftet sind und versucht diese durch Ironie und Überspitzungen zu brechen. Gleichzeitig gibt sie einen authentischen Bericht ihrer Reiseroute, wobei der Leser auf unterhaltsame Weise mit den Besonderheiten der einzelnen Regionen vertraut gemacht wird und einen Einblick von Land und Leuten gewinnt.

Wohin geht’s? Südafrika, Mosambik, Simbabwe, Sambia

Fazit: Natürlich gebe ich kein Fazit zu meinem eigenen Buch** – das überlasse ich der Bloggerin Lynn, die das Buch stellvertretend für mich gelesen hat (-;

„Kurz um ist “Kein Tee mit Mugabe” ein herrliches Buch, wenn man sich an schönen Reiseberichten erfreut, ebenso wie am südlichen Afrika. Ich finde es toll wie offen die Autorin allen begegnet, sich ihre Neugier behält und keinen Kontakt zu Land und Leuten scheut. Hoffentlich kehrt sie bald zurück und bringt uns ein weiteres unterhaltsames Buch mit, damit ich mich ebenfalls wieder ins südliche Afrika träumen darf.“ Lieschenradieschen

Ein Sommer auf Sylt (Hörbuch). Autorin: Lena Wolf, Sprecherin: Sandra Voss, Verlag: AUDIOBUCH Verlag, Erschienen: 17. April 2020

Worum geht’s? Sylt hat immer Saison und bietet wunderschönes Lokalkolorit für eine charmante Liebesgeschichte: Eigentlich wollte Julia nur eine Auszeit nehmen, doch nun sitzt sie mit ihrer Mutter und zwei Tanten im Autozug nach Sylt. Die Schwestern sind uneins, was mit dem Haus auf Sylt geschehen soll. Früher haben sie dort Familienurlaube verbracht – bis sich alle in den gleichen Mann verliebten: Julias Vater. Nun ist das Haus, wie sich herausstellt, auch noch vermietet: Und zwar an die letzte Geliebte des Vaters. Notgedrungen kommen Julia und ihr kapriziöser Anhang in einer Pension unter. Zwischen dem Besitzer und Julia knistert es schon bald. Aber damit fangen Julias Probleme erst an …

Wohin geht’s? Sylt

Mein Fazit: „Ein Sommer auf Sylt“ ist eine locker leichte Sommerlektüre und perfekte Inseleinstimmung auf Sylt, mit einer gut dosierten Portion norddeutschem Charme. Ein Abstecher in die bekannte Sansibar, ein Besuch am Strand oder im Nationalpark Wattenmeer, hier kommt definitiv Inselfeeling auf! Perfekt zum Hören auf der Fahrt zum Urlaubsort: flott, kurzweilig und auch ein bisschen romantisch (-;

Dieser weite Weg (Hörbuch). Autorin: Isabel Allende, Sprecherin: Wiebke Puls, Verlag: der Hörverlag, Erschienen: 29. Juli 2019

Worum geht’s? Fast ein ganzes Leben – das erzählt dieser Roman: Es geht um Geschichte als Menschheitsschicksal und als persönliche Tragödie, es geht um Vertreibung, Flucht, Exil und die Unmöglichkeit, an einem Ort dauerhaft anzukommen. Der junge Arzt Víctor Dalmau muss im Spanischen Bürgerkrieg vor den Franco-Truppen über die Pyrenäen nach Frankreich fliehen. In letzter Minute entkommt er mit rund 2000 anderen Flüchtlingen auf dem Frachtschiff „Winnipeg“ nach Chile. An Viktors Seite: die angehende Pianistin Roser, hochschwanger von seinem gefallenen Bruder Guillem. Die beiden heiraten aus Pflichtgefühl. In Santiago schlagen sie sich mit Gelegenheitsjobs durch, ehe sich ihre harte Arbeit auszahlt. Einander respektvoll zugeneigt, doch leidenschaftslos, führen sie eine Vernunftehe, die sich mit der Zeit jedoch zu etwas Größerem auswächst – bis der Militärputsch in Chile sie zu einer zweiten Flucht zwingt …

Wohin geht’s? Spanien, Frankreich, Chile, Venezuela

Mein Fazit: „Dieser weite Weg“ nimmt auf ein abwechslungsreiches Hörerlebnis mit, in dem Allende historische Ereignisse auf zwei Kontinenten verknüpft und eine fesselnde Familiengeschichte erzählt, die auch gesellschaftskritisch ist. Die Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs ist gut recherchiert und Allende schafft es, die Kriegsgräuel anhand der Auswirkungen auf die Familie Delmau berührend darzustellen. Gänsehaut inklusive! Die alarmierenden Bedingungen in den französischen Flüchtlingslagern lassen rund 80 Jahre später Analogien zum heutigen Europa ziehen. Gleichzeitig ist die Geschichte eine Liebeserklärung an Allendes Heimat: Sie erzählt von einem halben Jahrhundert chilenischer Geschichte und setzt sowohl ihrem „Onkel“ Salvador Allende als auch Literatur-Nobelpreisträgers Pablo Neruda ein Denkmal.

Viel Freude beim Lesen! Bis dahin! Eure Antje

//Hinweis: Alle Buchempfehlungen sind privater Natur und spiegeln meine eigene Meinung wider. Es handelt sich um keine Kooperation mit den Autoren oder Verlagen.//*

//Eigenwerbung, da es sich hier um mein eigenes Buch, einen Reiseroman durchs südliche Afrika, handelt.//**