Kopfspiel → Deutscher Pokerweltmeister löst neuen Poker-Boom aus

„Was der kann, das kann ich auch“, dieser Gedanke ist vielen Menschen sehr vertraut. Auf andere zu schauen, die etwas Großes erreicht haben, kann motivieren und den Ehrgeiz entfachen. Dies gilt vor allem dann, wenn die betreffenden zwei Personen etwas gemeinsam haben, zum Beispiel die Nationalität. Vor Kurzem hat ein 55-Jähriger Münsteraner tatsächlich die Pokerweltmeisterschaft gewonnen und einen riesigen Dollarbetrag eingeheimst: So etwas passiert also nicht nur Amerikanern oder Chinesen, sondern auch Deutschen! Und schon ist die Flamme entzündet.

Der Millionär, der es (noch) nicht fassen kann

Hossein Ensan stammt zwar ursprünglich aus dem Iran, lebt aber schon seit 1990 im schönen Münsterland und freut sich natürlich tierisch über seinen Gewinn. 10 Millionen Dollar sind es, die sich jetzt auf seinem Konto türmen! Diese Summe ist für uns Normalos schwer vorstellbar, und ihm scheint es nicht anders zu gehen. Im ersten Interview, das auf dem amerikanischen Sender ESPN ausgestrahlt wurde, gab Hossein zu Protokoll, er könne noch gar nicht begreifen, was eigentlich passiert ist.

„Ich muss schlafen gehen und vielleicht realisiere ich, wenn ich aufwache, dass ich das Armband gewonnen habe.“

Eine seltsame Aussage, obschon das goldene Armband der World Series of Poker hoch begehrt ist! Der Gedanke daran, jetzt mehrfacher Millionär zu sein, schien den Pokerprofi zu diesem Zeitpunkt noch zu überfordern, sonst hätte er diesen kleinen, aber entscheidenden Fakt wohl erwähnt. Natürlich schauen nun sämtliche Kartenspielfreunde auf ihr neues Idol – und daneben sind auch zahlreiche Leute auf das Pokern aufmerksam geworden, die mit Texas Hold’em und Co. bislang noch nicht so viel am Hut hatten.

Tage später, als Hossein wieder etwas klarer im Kopf war, besuchten ihn Reporter der Westfälischen Nachrichten, die natürlich unter anderem wissen wollten, was der Poker Meister mit dem vielen Geld machen möchte. Zuerst, so meinte der Gefragte, müsse er abwarten, was das deutsche Finanzamt ihm vom Gewinn abzieht. Von der übrigen Summe möchte er einen gewissen Betrag spenden, und zwar an eine Organisation oder Person, die „sich um kranke Kinder oder Bildung kümmert“. Hossein plant außerdem, in Münster zu bleiben, weil es ihm in seinem Heimatort sehr gut gefällt. Dieser Aussage schiebt er allerdings ein „Aber man weiß nie“ hinterher.

Auch sein Vorgänger, der Westfale Pius Heinz, dem im Jahr 2011 derselbe große Coup gelang, blieb trotz des damals fetten Kontostandes von 8,7 Millionen Dollar mit beiden Beinen am Boden. Er schrieb ein Buch über seinen Erfolg und wagt auch heute noch die eine oder andere Partie Omaha hi-lo und anderer Poker Varianten.

Solche Geschichten haben einen deutlich größeren Vorbildcharakter als die Story vom berühmten Lotto-Lothar, der seine 3,9 Millionen Mark Mitte der 90er Jahre zum Fenster rauswarf – und prompt in der Sozialhilfe landete.

POKE
Pius Heinz gilt als einer der besten deutschen Pokerspieler Source: Wikimedia Licence: C BY-SA 3.0

Die WSOP machte übrigens schon einmal mit ihrem europäischen Pendant in Berlin Halt. Den größten Teil des Preisgeldes, fast 900.000 €, schnappte sich im Jahre 2015 der US-Amerikaner Kevin MacPhee. Auch in diesem Jahr findet die WSOP Europe wieder statt, diesmal im grenznahen Rozvadov. Hossein Ensan ist ebenfalls einer der Kandidaten, die vermutlich dort auftauchen werden, konnte er doch bereits häufiger in Rozvadov triumphieren. Der aggressiv spielende Experte für Poker Turniere lässt sich kaum ein größeres Event entgehen, darum besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er auch dort für Fans und Presse mal wieder Rede und Antwort stehen wird.

Der Medienrummel lockt die Berliner in die Pokerhöhlen der Stadt

Der Medienzirkus dreht sich also weiter und wird so schnell nicht damit aufhören. Überall, wo Hossein auftaucht, richten sich Kameras und Mikros auf ihn. Und wehe, er gewinnt noch ein weiteres Turnier: Dann kommt er gar nicht mehr aus den Nachrichten heraus! Es scheint nur folgerichtig, dass nun auch viele andere Menschen in Deutschland, auch wenn sie bislang keine besonderen Poker Fans waren, ihr persönliches Glück versuchen werden.

Der Pokerlounge in Berlin dürfte diese Art der Werbung zum Beispiel sehr guttun, auch wenn der inzwischen berühmte Kartenspieler Hossein Ensan seine 10 Million gar nicht dort gewonnen hat. Unsere Hauptstadt erscheint bei genauer Betrachtung ohnehin wie ein Poker Eldorado, jetzt wird die Zahl der Aktiven wahrscheinlich noch ein gutes Stück wachsen. Die Lounge warten mit offenen Armen auf Adrenalinjunkies, die das Pokern gern ganz professionell als Sport betreiben möchten – also nicht nur hin und wieder ein bisschen zwischendurch. Hier geht es also um Wettbewerb und Konkurrenz, um Strategie und Disziplin. Es gibt natürlich auch Präsente zu gewinnen, schließlich ist es nicht der Ruhm allein, der einen Pokerhelden lockt.

Große Live Turniere in der Hauptstadt sind noch dazu alles andere als selten, zum Beispiel findet das Finale der Triple A Series häufig im Casino am Potsdamer Platz statt. Wer es noch nicht weiß: Das ist die größte Turnierserie Deutschlands. In derselben Location kannst du auch am Finale der German Poker Tour teilnehmen, wenn du dich dazu berufen fühlst und den Weg dorthin schaffst. Alle drei großen Berliner Spielbanken bieten außerdem Qualifikationsturniere zur European Poker Tour, wenn die Zeit dafür reif ist. Und als wenn das noch nicht genügen würde, ist auch das ALL STARS Turnier in den besagten drei Casinos angesiedelt, ein relativ neues Event mit einem Preispool von etwas mehr als 50.000 Euro. In Zukunft wird der Betrag sicher noch anwachsen, proportional zum Interesse der nationalen und internationalen Pokerspieler.

Die Spielbank Potsdamer Platz sorgt neben den großen Attraktionen auch noch für tägliche Turniere und Cashgames, um die Besucher bestmöglich bei Laune zu halten. Im Grunde gibt es nirgendwo sonst in Deutschland derart viele Live Poker Angebote wie hier. Der Pokerraum ist hervorragend aufgestellt, jeden Tag geht es ab 17 Uhr los. Einsteiger sollten allerdings erst einmal eine ganze Weile üben, bis sie sich der großen Cashgame-Schlacht stellen. Denn am Potsdamer Platz wird mittlerweile reichlich aggressiv gespielt, an den Highroller-Tischen beläuft sich zudem der Einsatz regelmäßig auf 20.000 Euro je Teilnehmer. In den Turnieren ab 18 Uhr geht es meistens deutlich sanfter und preisgünstiger zu. Empfehlenswert sind sogenannte Re-Entrys, bei denen es bis zu einem bestimmen Blindlevel immer wieder Einstiegsmöglichkeiten gibt.

Die Spielbank Alexanderplatz haben wir bisher noch gar nicht namentlich erwähnt, obwohl sie doch einiges auf dem Kasten hat. Das Casino ist zwar etwas kleiner als der große Bruder am Potsdamer Platz, doch trägt es trotzdem jeden Tag ab 19 Uhr an drei verschiedenen Tischen Cashgames aus. Die Limits liegen in der Regel zwischen 100 und 500 Euro, aber wenn richtig viel los ist, schnellen sie durchaus auch mal in die Höhe. Turniere gibt es ebenfalls täglich, und zwar ausschließlich in der beliebtesten Variante Texas Hold’em. Je nach Wochentag stehen Unlimited Re-Buy-Turniere, Freeze-Out Events oder Select-Your-Stack-Runden auf dem Plan. Samstags lädt die Spielbank zum Win-The-Button-Turnier ein, mit kleinen Buy-ins, aber schwungvollem Spiel.

Die Spielbank Hasenheide ist ganz anders gepolt als die beiden größeren Kollegen. In ihren Räumlichkeiten geht es eher gemächlich zu, entsprechend locker ist die Turnier- und Cashgame-Dichte gestrickt. Echte Highroller verirren sich eher selten hierher, dafür gibt es aber mehr als genug Raum zum Üben und Ausprobieren. Die Cashgames fangen um 17 Uhr an, die Turniere um 19 Uhr. Natürlich sind Pokerspieler auch später willkommen, denn wer die Nacht durchmachen möchte, der sollte erst einmal ausgiebig zu Abend essen.

Das Trendbarometer zeigt schon seit Jahren nach oben

Das wären sie also, die möglichen Profiteure eines neuen Poker-Booms allein in Berlin. Quer durch die Republik existieren natürlich noch weitere Pokerräume und entsprechend gepolte Casinos, doch bei Weitem nicht in dieser Dichte. Außerdem gibt es da noch die zahlreichen Kartenspieler, die mit ihren Kumpels und Freunden im heimischen Wohnzimmer dem gemeinsamen Hobby nachgehen. Und der Vollständigkeit halber möchten wir auch diejenigen erwähnen, die an ihrem Handy oder dem Notebook gern Online Poker zocken, um sich den Feierabend zu vertreiben.

pok
Poker kann inzwischen auch digital gespielt werden Source: Flickr Licence: CC BY 2.0

Das Trendbarometer zeigt in Sachen Pokerspiel bereits seit Jahren deutlich nach oben, vor allem auch deshalb, weil durch die Digitalisierung der Zugriff deutlich erleichtert wird.

Qualifikationen für die WSOP sind mittlerweile auch auf virtuellem Weg möglich, so ist bereits so manches neue Talent vom Display direkt in Las Vegas gelandet. Und wer weiß: Vielleicht stammt der nächste Weltmeister auch wieder aus Deutschland – ist es dann sogar dein Nachbar oder Kollege?