Malawi: Willkommen im warmen Herz Afrikas | by Antje Waldschmidt

Hallo,

heute möchte ich euch von Malawi erzählen, einem kleinen Land in Südostafrika, das mich begeistert hat. Dass vor allem wegen des Malawisees – Seele und Lebensquell des Landes – den freundlichen Menschen ebenso wie der Unberührtheit und Einzigartigkeit.

Das südostafrikanische Land Malawi wird gern als „warmes Herz Afrikas“ betitelt: Es gilt als Land der freundlichen Menschen. In dem lang ausgestreckten Staat leben rund 18 Millionen Menschen, auf einer Fläche, die einem Drittel Deutschlands entspricht. Malawi ist eingebettet zwischen Tansania im Norden, Mosambik im Osten und Süden, sowie Sambia im Westen.

Bekannt ist Malawi vor allem, da es den drittgrößten See Afrikas und den neuntgrößten der Welt beherbergt: den Malawisee. Dieses Gewässer bedeckt mehr als ein Fünftel des Landes und wird als „Blut und Seele“ betitelt. So ist der See für ein Großteil der Malawier Lebensgrundlage. Denn mehr als 80% von ihnen sind Selbstversorger, die auf Kleinstfarmen Cassava, Reis, Hülsenfrüchte und Erdnüsse anbauen oder von Fischfang und Viehzucht leben. Es wundert also nicht, dass Malawi die meisten Devisen durch den agrarischen Export erwirtschaftet, nämlich von Tabak und in geringerem Umfang auch Tee, Kaffee, Zucker und Baumwolle. Auch der Cannabisanbau ist bedeutend, besonders für die Tourismusindustrie. Cannabis-Liebhaber aus aller Welt pilgern eigens nach Malawi, um eine Kostprobe zu erhalten. Doch die Cannabis Pflanze gehört nicht wirklich zu den offiziellen Exportartikeln …

Blick auf Felder von Livingstonia

Vom großen Touristenansturm ist Malawi bisher verschont geblieben. Ein bisschen mag es daran liegen, dass Malawi mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von rund 290 Euro, zu einem der ärmsten Länder Afrikas zählt, in dem auch die Korruption wütet…

Ich bin auf dem Landweg nach Malawi eingereist, über den großen Nachbarn Tansania. Es herrschte Regenzeit und der Norden zeigte sich in seinen sattesten Grüntönen. Der dünn besiedelte, nördliche Teil ist infrastrukturell wenig ausgebaut und steht für gebirgiges Land mit Bergdörfern. Die höchsten Gipfel steigen bis zu 3000 Meter über dem Meeresspiegel an, es gibt unzählige leere Strände und mit Nilpferden gefüllte Tümpel.

Mein erster Stopp war Chitimba, das direkt am Malawisee liegt. Infrastrukturell ist es kaum ausgebaut. Es besticht vielmehr durch seine Unberührtheit. Ich fühlte mich wohl, doch es zog mich schnell weiter. Die Berge riefen …

Grün und Blau, wo das Auge nur hinschaut

In Begleitung von fünf kleinen Mädchen und einem Jungen, die abwechselnd meine Hand ergreifen und nicht verstehen wollen, dass ich nur zwei davon habe, mache ich mich am späten Morgen auf in Richtung Livingstonia. Wir laufen die Straße von Chitimba entlang und biegen nach rechts in einen Schotterweg ein. Vor uns ragt das grüne Gebirgsmassiv empor und ich frage die Kinder, wo Livingstonia liege. „Dort“, schreien sie im Chor und deuten mit ihren zierlichen Fingern auf den rechten Teil der Bergkette. Ich schaue hinauf, kann jedoch nichts erkennen.

Blick auf Berge von Chitimba

Die Straße wird steiniger, steiler und langsam kämpft sich die Sonne durch. Kaum, dass die Steigung zu nimmt, verabschieden sich meine kleinen Freunde von mir. Sie verkrümeln sich in die Hütten und Häuschen, die sich zu Beginn der Steigung auf der rechten Seite entlang ziehen. Es sieht so aus, als wenn ich alleine weiter ziehen müsse. Das tue ich schließlich auch.

Ich laufe über Stein, Geröll und Matsch. Der Malawisee verschwindet in der Ferne. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, ist, dass sich dieser Weg zieht, wie Kaugummi! Es wird eine einsame Wanderung. Während meines Aufstiegs treffe ich auf vier Geländewagen, wovon einer bereits in rötlich-brauner Pampe versunken und liegen geblieben ist. Die restlichen hoppeln über die matschigen Steine an mir vorbei. Sie hinterlassen fiese modderige Spritzer an meinen Beinen. Regenzeit! Nichts, an das ich mich nicht schon gewöhnt hätte. Eisern laufe ich weiter.

15 Kilometer lang soll der Anstieg sein. Ich hatte mit zwei Stündchen gerechnet. Doch es werden drei! Denn als ich nach dem einsamen Marsch endlich Zivilisation in Form einer Grundschule erspähe, habe ich mein Ziel noch immer nicht erreicht. Drei zehnjährige Jungen kommen aus einer Hütte gerannt und lassen mich wissen, dass das noch nicht Livingstonia sei. Sie wollen mir aber eine Abkürzung zeigen. So laufen wir durch eine kleine matschige Siedlung und kaum, dass ich denke wir hätten Livingstonia endlich erreicht, tut sich ein weites Tal vor mir auf. Ich blicke auf grüne Kaffeeplantagen und Felder, frage mich jedoch noch immer, wo sich Livingstonia nun eigentlich befindet. „Dort“, signalisiert mir einer der Jungen und deutet auf den Feldweg, der vom Tal auf eine Anhöhe führt. Ich nicke. Wir ziehen weiter. Wir laufen das matschige Tal auf der roten Erde hinab. Meine Birkenstocks drohen in brauner Brühe zu versinken. Ich ziehe sie aus und wate durch den Schlamm. Mit nackten Füßen.

Die Jungs sind mir bereits 20 Meter voraus und marschieren schon die Anhöhe hinauf. Ich hänge bereits ein bißchen durch, lasse mir aber nichts anmerken. Doch als wir die Anhöhe erreichen, spielt sich die gleiche Szenerie ab. Ich blicke erneut auf ein wundervolles, saftig grünes Tal mit Matschweg. Abermals führt es auf eine Anhöhe. Die Jungs laufen unerbittlich weiter. Ich bin schon ein bißchen kurzatmig, lasse mir aber nichts anmerken und nehme die Verfolgung der drahtigen Zehnjährigen wieder auf. Ich brauche meiner großen Freude keinen Nachdruck zu verleihen, als wir nach dem vierten Hügel endlich eine breite rötliche Allee erreichen. Livingstonia!

Livingstonia – Die einzigartige Bergstadt

Einst von schottischen Missionaren erbaut, bietet Livingstonia einen eindrucksvollen Einblick in Malawis koloniale Vergangenheit: Die meisten alten Steingebäude stehen noch – viele werden von der örtlichen Universität verwendet. So verlegte die Freie Kirche von Schottland ihre Mission, nach zwei gescheiterten Versuchen eine Mission in Cape Maclear und Bandawe zu gründen, einst 900 Meter über den See in das Dorf Khondowe. An den vorherigen Orten waren schlichtweg zu viele Missionare an Malaria verendet. Das Dorf wurde schließlich nach dem ehrenwerten Dr. David Livingstone benannt und unter der Leitung von Dr. Robert Laws im Jahre 1894 gegründet.

Frauen auf der Allee in Livingstonia

Gruppen von Frauen flanieren in ihren bunten Kitenges, die mit Bäumen gesäumte und mit bröckelnden kolonialen Relikten geschmückte, Allee entlang. Männer tun ihnen gleich. Händehaltend verraten sie sich die wichtigsten Neuigkeiten. Schnell wird klar, Livingstonia ist ein besonderer Ort.

Ich schließe mich den Damen an und flaniere ebenso gemütlich wie diese durch das historische, viktorianisch angehauchte Städtchen auf dem Rift Valley Escarpment über dem Malawisee. Ein Ort, den ich vor meinem Aufstieg auf den Berg, so nicht erwartet hätte.

Livingstonia

Nach meiner Höhenwanderung gebe auch ich mich dem Abspann-Modus genüsslich hin. Ich bewundere die alten Steingebäude: das Museum, die Universität mit ihren freundlichen Studenten und die malerische Aussicht. Die geht steil über die Böschung hinweg. Über den wunderbar blau schimmernden See kann ich bis zu den Livingstone Mountains in Tansania blicken. Atemberaubend. Schließlich kehre ich im Craft Coffee Shop ein, wo ich von einer netten älteren Dame eine Tasse besten Kaffee bekomme. Der kommt von den umliegenden Kaffeeplantagen und hat eine fruchtige, süßliche Note im Abgang. Ich wünschte ich könnte länger an diesem friedlichen Örtchen in den Bergen bleiben und mich noch ein wenig durch die Handarbeiten, Honig, Tee, Kaffee und Schnitzereien arbeiten. Doch es ist bereits drei Uhr nachmittags und in knapp 2,5 Stunden wird die Sonne untergehen. Der Abstieg ist nicht zu unterschätzen. Mittlerweile lechze ich auch nach einer Dusche. Alles an mir klebt. So mache ich mich langsam die rötliche Allee entlang auf den Rückweg, als ich auf McDonald und Lydi treffe. Lydi kommt aus den Niederlanden und McDonald aus Livingstonia. Eine Reisende und ihr Guide, der ihr das historische Städtchen mit Umland zeigen will. Die Beiden fragen mich nach meinen Plänen für den Nachmittag …

Eine Nacht im malawischen Öko-Paradies

Mittlerweile ist es vier Uhr nachmittags und McDonald und Lydi weisen mich insbrüstig darauf hin, dass es bereits zu spät sei, um allein den Abstieg zurück nach Chitimba zu wagen. Ich habe jedoch bereits eine Unterkunft in Chitimba. Außerdem habe ich nur wenig Geld in der Tasche, um mir den Luxus einer weiteren Nacht leisten zu können. Letztendlich ist es dann nicht die Überzeugungsarbeit meiner netten Zeitgenossen, die mich zum Bleiben veranlasst, sondern vielmehr der wundervolle Ort selbst. Es wäre einfach zu schade, dieses Fleckchen Friedlichkeit hoch oben in den nördlichen Bergen Malawis so schnell wieder verlassen zu müssen.

Einbruch der Dunkelheit in Livingstonia

Ich entscheide mich also dafür das bisschen Berggeschichte weiter zu schreiben. So folge ich Lydi und McDonald bergab in die nahegelegen Permakultur*-Farm. Die magische Mushroom Farm. Diese tolle Öko-Lodge hatte bereits über die malawische Grenze hinweg von sich Reden gemacht. Und sie sollte mich auch nicht enttäuschen!

Seeblick von der Mushroom Farm

Einen gemütlichen Fußweg von Livingstonia entfernt, inmitten eines grünen Waldstücks der umliegenden Klippen, betreten wir die „Mushroom Farm“. Ein kleines Paradies im Nirgendwo. Ich genieße die unglaublich schöne Aussicht über den See Richtung Tansania und wünschte die Zeit würde ein wenig stehen bleiben, bevor die Sonne untergehen und das Camp in der Dunkelheit verschwinden würde. Doch das geschieht schneller als gedacht. So verbringe ich eine friedliche Nacht in der Öko-Lodge, auch ohne Dusche und frische Kleidung. Auf knapp 1000m Höhe schläft es sich fantastisch!

Am nächsten Morgen erkunde ich die Mushroom Farm bei Tageslicht, stets in Begleitung von „King“, dem freundlichen Öko-Hund. Ich merke schnell, dass hier mit Mutter Natur gearbeitet wird und nicht gegen sie. Da wären z.B. die Komposttoiletten. Die charmanten Holztoiletten funktionieren nicht nur, sondern sind auch nett anzuschauen und – wer hätte das gedacht – völlig geruchsfrei. Auch die Dusche unter freiem Himmel überzeugt.

King und ich genießen den Blick

Ich frühstücke auf der Terrasse mit Lydi und King und bestelle mir einen fruchtigen Kaffee aus den umliegenden Feldern. Dazu gibt es einen frischen Saft, zubereitet aus leckerstem Grünzeug aus dem Permakulturgarten. Ich nippe langsam an Kaffee und Smoothie, in der Hoffnung die Zeit ein wenig anhalten zu können. Mein Blick fällt auf das Great Rift Valley und den atemberaubenden Malawisee. Die Öko-Lodge bietet eine magische Kulisse der Friedlichkeit und Ruhe, die ich nur ungern wieder hinter mir lassen möchte. Es ist schön im malawischen Öko-Paradies gestrandet zu sein … gleichzeitig kann ich es kaum erwarten noch mehr von Malawi, diesem bezaubernden Land in Südostafrika, zu sehen!

Bis dahin! Eure Antje

Grünes Malawi

*Permakultur ist ein Konzept, das auf die Schaffung von dauerhaft funktionierenden, nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen zielt.

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