Monday-Talk: Briefkastenliebe – Part II.

„Hallo F., mutige Aktion, die Du…“

Oh. Wow! Ich kann kaum glauben, was mir die Vorschau des kleinen Briefumschlags auf meinem Handydisplay da just in diesem Moment, in dem ich kaum mit irgendeiner Nachricht gerechnet habe, anzeigt. Mir ist sofort klar, um wen es sich dabei handeln muss: Mein Montagsflirt, dem ich mit all meinem Mut eine Postkarte in den Firmenbriefkasten geworfen habe! Da diese Aktion jedoch knapp 2 Wochen zurückliegt, habe ich jedoch kaum noch mit einer solchen Nachricht seinerseits gerechnet. Aber selbstverständlich gibt es eine mehr als plausible Erklärung hierfür: Er war schlichtweg länger nicht in der Firma gewesen und hatte die Karte nun erst jetzt auf seinem Schreibtisch entdeckt.

Ich bin baff. Wie cool ist das denn bitte? Ich hatte mir wirklich bereits jedes mögliche Szenario für das bisherige Ausbleiben einer Nachricht ausgemalt: Urlaub, Vergeben, Schwul, Lachnummer für die ganze Firma, Karte direkt in den Papierkorb geschmissen, er arbeitet nicht mehr dort. Und so ganz verkehrt lag ich augenscheinlich am Ende wirklich nicht, denn er war tatsächlich länger nicht in der Firma gewesen. An eine Antwort konnte ich jedoch nicht mehr wirklich glauben. Umso freudiger schallte mein lauter Aufschrei durch die Wohnung, als ich wirklich eine Nachricht von Mister Unbekannt auf meinem Handy entdecken durfte. Und er hatte sich dabei keineswegs kurz gefasst, nein, vielmehr brachte er recht klar zum Ausdruck, dass er meine Aktion wirklich cool fand und meinen Mut zu schätzen weiß.

Doch bei aller Freude stolperte ich in seiner ersten Nachricht auch prompt über eine Frage, denn er wollte von mir wissen, was denn die Intention meiner Kaffee-Anfrage sei?

In einer Gedankenblase zwischen „er wusste sicher nicht ganz, was er mir schreiben sollte“ und „warum genau erfragt er etwas doch eigentlich Offensichtliches?“ versuchte ich, dem nicht allzu viele Interpretationen beizumessen und erklärte mich einfach in meiner entsprechenden Antwort. Ich wolle einen Kaffee mit ihm trinken, mit ihm einen weiteren Plausch halten, ihn vielleicht sogar kennenlernen. Senden.

Nun hieß es erneut: WARTEN.

Aber hey, nun sollte es wohl keine weiteren zwei Wochen brauchen. Und das tat es auch nicht: Knappe 24 Stunden später, fand mein Montagsflirt erneut einige Worte für mich. Diesmal jedoch wirklich mit einem faden Beigeschmack: Trotz Besitz von WhatsApp schrieb er mir weiterhin SMS und kam hinsichtlich meiner Kaffee-Frage auch nicht auf den Punkt.

Was sollte das? War es so schwer, mir eine Antwort auf die Frage nach einem Kaffee zu geben?

Offensichtlich. Und noch mehr: Denn auf meine zweite Nachricht, welche gewiss keine „falschen Worte“ beinhaltete, entgegnete er mir nur noch mit lautem Schweigen.

Nichts. Gar Nichts folgte darauf. Auch kein Aufblicken vom Schreibtisch, an welchem ich von Zeit zu Zeit quasi auf dem Weg zur Arbeit passierte, bekam ich mehr von ihm.

Ist er vergeben? Es scheint die plausibelste Erklärung. Denn wer gibt sich erst größte Mühe für eine doch wahrlich charmante Nachricht, um dann einen Kaffee so vollkommen auszuschlagen? Ich sollte wohl hier nicht weiter nach dem Fehler suchen. Es würde mir die Erfahrung vollkommen kaputt machen, denn das grundsätzliche Echo auf mein Handeln war schließlich positiv gewesen.

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