Australien: Wo man sich´s gut gehen lässt – Willkommen in Sydney! | by Antje Waldschmidt

Hallo,

vor einer Weile habe ich euch Melbourne vorgestellt und von der Rivalität mit Sydney erzählt. Grund genug noch mal nach Australien zurück zu blicken und uns Melbournes „Nachbarstadt“ Sydney (die beiden trennen ungefähr soviel Luftlinie wie Berlin und Luzern!!! : ) genauer anzuschauen.

Sydney! Wem schießen bei dieser 5-Millionenstadt an der Ostküste des Pazifiks nicht sofort Bilder braungebrannter Surfer Dudes in den Kopf?; Wer hat nie vom Titel der teuersten Stadt der Welt oder der Stadt des Körperkultes und der Schönen (oder vielmehr der schön Reichen) gehört?; Und wem ist nie die tragikomische Geschichte der weltbekannten Oper oder die Gründungsgeschichte der einstigen Sträflingskolonie Australien, die ihre Anfänge in Sydney nahm, zu Ohren gekommen? Sydney gilt als das Markenzeichen Australiens! Doch wie schaut´s wirklich aus?

Harbour Bridge

Die Traumstadt für alle Outdoor-Liebhaber

Wer die Innenstadt Sydneys erstmalig mit dem Bus erreicht, dem werden zuerst die vielen Wolkenkratzer der Metropole auffallen, aber ebenso die prunkvollen historischen Bauten und grünen Parkanlagen. Doch wer sich aus der Innenstadt rausbewegt, dem wird schnell klar, dass die Sydneysider echte Outdoor-Liebhaber sind. Bei milden Temperaturen tummeln sie sich in ihrer Freizeit am liebsten an den wundervollen Stränden – surfen, sporteln, socializen und Sonnenbaden.

Ich selbst habe mich dieser Outdoor-Liebe vergnüglich angeschlossen.

Den spektakulären Klippenwanderweg Bondi – Coogee – Walk habe ich zu meiner Traum-Joggingstrecke gemacht;

Nielsen Bay

Der wunderschöne und familienfreundliche Centennial Park wurde zu meinem heiß geliebten Beobachtungsgebiet von Schwärmen von Kakadus;

Kakadu

Der Bondi Beach Market schaffte mir Inspiration für den perfekten Boho-Beach-Look;

Bondi Beach Market

Der hübsche Nielsen Park – Rose Bay – Walk ließ mich einen wundervollen Sonnenuntergang sehen, eine faszinierende Sydney-Silhouette und die extravaganten Villen der gut betuchten Sydneysider;

Nielsen Rosbay Walk

In den Bondi Icebergs bin ich im eisblauen Pool geschwommen, habe aus der hauseigenen Sauna in die tosende Brandung geschaut und vom Balkon des Sundeck Café einen atemberaubenden Blick über den legendären Bondi Beach erhascht;

Icebergs

Ich bin im tiefenentspannten Manly den 10km langen Manly Scenic Walk gewandert und habe an malerischen Buchten inne gehalten;

Manly

Ich wurde vom spektakulären Blick auf den Ozean vom Waverley Cemetery gefesselt, wohl einem der schönsten Friedhöfe der Welt, der sich wie ein riesiges Open-Air-Museum anfühlt;

Waverley Cemetery

Und ich habe am freitäglichen The Rocks Friday Foodie Market im historischen Hafenviertel leckerste Delikatessen verspeist.

Diese Liste könnte noch endlose weitergeführt werden, denn auf der Sonnenseite Sydneys lässt man sich´s draußen am besten gehen!

Wie bereits in Melbourne, habe ich mich auch in Sydney für eine der Free Walking Touren im Stadtzentrum entschieden. Gestartet ist die Tour im besagten Hafenviertel, wo der Grundstein der heutigen Stadt gelegt wurde, mit Schauergeschichten über das raue Sträflings- und Matrosenleben. Und natürlich habe ich nicht lange suchen müssen, um die meisterhafte Ikone der Stadt, das Opernhaus von Sydney am östlichen Ende des Circular Quay zu erspähen.

Opera House

Direkt hinter der Oper befinden sich auch die herrlichen Botanischen Gärten Sydneys, eine grandiose Parklandschaft, die allerhand zu bieten hat. Wer seine Wanderfreude jedoch lieber in Höhenlage ausleben möchte, sollte über die Harbour Bridge spazieren, und (hinter Zäunen) die Aussicht auf die Silhouette der Stadt genießen oder auf dem südöstlichen Pfeiler die 200 Stufen zum Pylon Lookout hinauf steigen. Hat man die Brücke gen Norden erstmal überquert, lohnt ein Abstecher in Sydneys Luna Park.

Im Gegensatz zu Melbournes Luna Park, kann der Park in Sydney kostenlos betreten werden. Für die Fahrgestelle wird direkt gezahlt. In meiner Luna Park Faszination bin ich eindeutig dem Rotor verfallen – einem der Schwerkraft trotzendem Fahrgestell aus den 50er Jahren mit absolutem Kultstatus. Bereits der Blick von oben aus der Anlage genügte mir, um (m)einen ganz eigenen Drehwurm zu bekommen! : )

Luna Park

Sydneys Opernhaus – Eine tragikomische Geschichte

Den Circular Quay am nördlichen Ende des Stadtzentrums halte ich für den besten Anlaufpunkt, um einen ersten Einblick in die Stadt zu bekommen.

Bereits nach wenigen Tagen in Sydney hatte ich das Vergnügen das Opernhaus zu besuchen. Das allerdings nicht bei einer der deutschen Sydney Opera Touren, sondern bei einem Konzertbesuch des Hong Kong Philharmonic Orchestra. Das Stück hat bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, das Opernhaus schon! Fünf Theater sind in dem spektakulären Bau untergebracht, die insgesamt mehr als 5.500 Plätze bieten. Mehr als eine Million weiße Keramikfliesen zieren das „Muschel“-Dach des Gebäudes, das 2007 in die Liste des UNESCO-Welterbe eingetragen wurde.

Sydney Opera House

Das Opernhaus ist ein wahrliches Meisterwerk moderner Architektur und gilt neben der Sydney Harbour Bridge und den Natur-Wahrzeichen Great Barrier Reef und Uluru (Ayers Rock) als bekannteste Landmarke Australiens. Die Baugeschichte des Opernhauses ist jedoch eine tragische.

Sydneys neues Opernhaus sollte einst etwas ganz Originelles werden. Architekten aus aller Welt beteiligten sich Mitte der 50er-Jahre an der Ausschreibung. Der Auftrag ging an den jungen Architekt Jørn Utzon. 1959 begannen die Arbeiten im Hafen von Sydney. Die nötigen Berechnungen waren zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht abgeschlossen, wobei insbesondere die geometrischen Berechnungen der gekrümmten Schalen des Dachs Probleme bereiteten. Innerhalb weniger Jahre mussten die Baupläne für die Dachkonstruktion mehrfach überarbeitet werden. Die steigenden Baukosten führten schließlich zur Sperrung der Gelder und Utzon konnte sein Team nicht mehr bezahlen. Daraufhin entschloss sich der dänische Architekt 1966 dazu, Australien zu verlassen! Das Gebäude wurde ohne ihn, mit einigen Kompromissen im Bauplan, fertiggestellt. Am 20. Oktober 1973 wurde das Sydney Opera House schließlich von Königin Elizabeth II eröffnet. Jørn Utzon verstarb 2008 im Alter von 90 Jahren. Er gab Sydney sein wohl bekanntestes Wahrzeichen, ohne sein Lebensprojekt jemals fertiggestellt betreten zu haben!

Opera House

Neben der beachtlichen Oper habe ich an meinem Sydney Opernabend noch etwas Beachtliches erlebt! Beim abendlichen Zurückschlendern vom Opernbesuch, lud ich meine Begleitung in euphorischer Opernhaus-Spendierlaune auf der Macquarie Street zu dem wohl teuersten Eis meines Lebens ein. Zwei köstliche Kugeln haben mein spendables Selbst gute 17 Euro gekostet! Wahrlich eine berauschende Nacht! Bedenkt man jedoch, dass das Opernhaus in Sydney mit einem Budget von 7 Millionen Dollar geplant war und schlussendlich 102 Millionen Dollar gekostet hat, erscheint meine überteuerte Eiscreme-Problematik in dieser Nacht schlichtweg lächerlich! Was sind schon 17 Euro, wenn man sich in Sydney befindet …?

Den schönsten Blick auf das Opernhaus gibt es um einiges günstiger – nämlich auf einer Fährfahrt nach Manly, Watsons Bay oder Mosman. Sofern die Fahrt geschickt auf den Sonntag gelegt wird, können die Ersparnisse locker in ein Eis auf der Macquarie Street investiert werden. Denn sonntags fährt man mit Bus, Bahn, Zug oder Schiff unbegrenzt für nur 2,50A$!

Sydney Opera

Beachhopping in Sydney

Meine persönliche Empfehlung ist die wunderschöne Fährfahrt vom Circular Quay durch Sydneys Hafen ins gemütliche Manly. Manlys Surfer-, Café- und Kneipenszene machen diesen Stadtteil besonders für Backpacker attraktiv. Ich selbst habe hier zwei Sonntage verbracht und den 10km langen Manly Scenic Walk gemacht. Der bietet unvergessliche Aussichten auf Hafen und Stadtzentrum, aber ebenso schöne einsame Strände und Buchten. Die Leute in Manly wirken stets relaxt und auf der Fußgängerzone The Corso in der St Matthew’s Anglican Church wird jeden Sonntag um 18.30 Uhr ein nächtlicher Gottesdienst mit abschließendem Dinner von jungen Kreativen gehalten.

Manly Beach zählt zudem zum zweitbeliebtesten Strand Sydneys! Hier bekommt man nicht viel vom Trubel der Stadt mit und findet vielleicht genau die Urlaubsatmosphäre eines kleinen, küstennahen Ortes vor, die man am Stadtstrand inmitten der größten Metropole Australiens, wie dem Strand No. 1 – Bondi Beach – nicht gefunden hat.

Bondi Beach – da wären wir also beim bekanntesten Postkartenmotiv! Der ein Kilometer lange, goldene Sandstrand steht für ziemlich alle Klischees, die Australien zu bieten hat: gutaussehende Surfer, braungebrannte Beach Babes, Sommer, Sonne und Meer. Doch Bondi ist den Besuch allemal wert! Mir persönlich war der Strand jedoch zu voll und ich habe den Tamarama Beach oder den familienfreundlichen Bronte Beach als durchaus entspannter empfunden. Einzig das People-watching macht am Bondi Beach mehr Spaß oder auch das People-watching der people watcher! Das tritt genau dann ein, wenn Horden asiatischer Touristen in völliger Faszination die halbnackten Körper am Bondi Beach anstarren, man selbst jedoch viel faszinierter von den Reaktionen der verzückten „Voyeure“ ist als von den Zielobjekten selbst!

Zu meinem absoluten Lieblingsstrand ist Gordons Bay geworden – eine kleine abgeschiedene Bucht südlich von Clovelly Beach, die ich auf meinem „Bondi to Coogee Beach Walk“ entdeckt habe – und die zum Schwimmen und Schnorcheln einlädt.

Gordons Bay

Der Coastal Walk ist ein Pfad direkt am Meer, der entlang herrlicher Panoramen von Bondi bis nach Coogee Beach führt. Er startet an der Südseite Bondis und schlängelt sich entlang der Küstenlinie und Klippen zu den nächstgelegenen Buchten.

Der Wanderweg führt auch entlang des 1877 errichteten Waverley Cemetery, der mich mit seinen viktorianischen und edwardianischen Grab- und Denkmälern auf der Spitze der Felsen von Bronte total gefesselt hat! Wer seine letzte Ruhestätte auf diesem Friedhof findet, kann diese Aussicht unter Sydneys sonnigem Himmel mit atemberaubendem Meeresblick auf ewig genießen! Abgesehen von der Tatsache des Todes sind das keine schlechten Aussichten…

Waverley Cemetery

Am Ende des Klippenwanderweg lockt der Coogee Pavilion, mit Kaffee und ausgezeichnetem Seafood. Doch es lohnt noch einen guten halben Kilometer weiter zu laufen. Dort befinden sich die Wylie’s Baths. Dieses Schwimmbecken ist ein historischer und denkmalgeschützter Rockpool. Gebaut wurde das Becken 1907 von Henry Alexander Wylie, einem Wassersportler, der diesen Pool vor allem seiner Tochter Mina Wylie widmete. Denn zur damaligen Zeit gab es nur begrenzte Zugangszeiten in den Männerschwimmbädern für Frauen. Mina Wylie gelang es schließlich im Jahr 1908 ein Weltrekord im Freistil zu schwimmen.

Wylies

Sydney macht es möglich, sich die frische Meeresbrise fast überall um die Nase wehen zu lassen – es ist eine wunderschöne Stadt, mit vielen schicken Cafés, kulinarisch hochwertigen Restaurants, Märkten und Museen sowie Festivals und Ausstellungen.

Aber vor allem lebt das subtropische Sydney von dieser Outdoor-Atmosphäre! Es lebt von den vielen innerstädtischen grünen Oasen, den Surfern, den unzähligen Badebuchten, dem idyllischen Küstenstädtchen-Feeling, der riesigen Hafenanlage, den etwas weiter gelegenen Nationalparks, der sommerlichen Atmosphäre: eben – diesem typisch gelassenen „Aussie way of life“. Doch Sydney steht auch im Ruf – gerade im Vergleich zu Melbourne – eher „posh“ zu sein, also vornehm bzw. schick.

Nielsen Park

„Posh“ sind sicherlich auch die östlichen Randbezirke an der Küste, wie Rose Bay, Mosman, Watsons Bay, Darling Point oder Dover Heights. Doch wer sich etwas weiter in einige der Randbezirke Richtung Westen aufmacht, der kann sich, wie wohl in jeder anderen großen Stadt auch, auf ein vollkommen anderes Sydney-Bild gefasst machen!

Klar wird schnell: Sydney hat eine extrem hohe Lebensqualität und in Sydney kann man es sich in den vielen traumhaften blauen und grünen Oasen wirklich gut gehen lassen, aber eben nur dann, wenn man sich das auch leisten kann!

Centennial Park

Kurz & knapp: Meine Sydney Highlights!

  • Sydney Harbour und Opernhaus: Um Sydneys Wahrzeichen kommt keiner drum rum! Wer sich keine Aufführung anschaut, kann zumindest eine Sydney Opera Tour machen. Diese einstündige Führung gibt’s mittwochs um 11:00 Uhr auch auf Deutsch und kostet 37A$.
  • Sydney Harbour Bridge: Der „alte Kleiderbügel“ verbindet das Stadtzentrum mit Sydneys nördlichen Geschäftsvierteln. Wer den Adrenalinkick braucht, kann den großen Bogen der Brücke auch entlang klettern. Der Spaß dauert zwischen 1,5 und 3,5 Stunden und liegt zwischen 163A$ bis 393A$. Kostengünstiger ist allemal der Spaziergang zu Fuß!
  • Free Walking Tours: I´m free bietet 2x verschiedene Touren (SYDNEY SIGHTS TOUR, in ca. 2,5 Stunden und ROCKS, in ca. 1,5 Stunden)
  • Bondi – Coogee – Walk: Diese traumhafte sechs Kilometer lange Klippenwanderung ist ein absolutes Sydney-Highlight mit spektakulärer Aussicht, wunderschönen Stränden und versteckten Buchten.
  • Gordons Bay: Eine kleine, paradiesische Bucht auf dem „Bondi to Coogee Beach Walk“ südlich von Clovelly Beach, die zum Schwimmen und Schnorcheln einlädt.
  • Gezeitenbecken: Wer gemütlich, ohne Haialarm und tosende See, einige Bahnen in einem der „Ocean Pools“ schwimmen möchte, sollte am Bondi Beach oder Bronte Beach vorbeischauen, oder gleich ins familienfreundliche Wylie’s Baths oder die hippen Bondi Icebergs gehen.
  • Manly: In Manly gibt es tolle Strände, viele Surfer und traumhafte Natur. Die Überfahrt geht problemlos per Bus oder Fähre – wer sparen will, sollte sich sonntags mit der Fähre aufmachen!
  • Royal Botanic Gardens: Die Royal Botanic Gardens sind eine 30 Hektar große, grüne Oase, die 1816 als Gemüsegarten angelegt wurden und Pflanzen aus dem südpazifischen Raum beherbergen. Es finden täglich kostenlose Führungen statt, u.a. auch eine Aboriginal Heritage Tour, die dem Besucher Kultur und Pflanzenwirtschaft der australischen Ureinwohner näherbringt.
  • Blue Mountains: Wer der Großstadt für eine Weile entfliehen möchte, sollte unbedingt einen Ausflug in die bezaubernden Blue Mountains machen.

Eure Antje

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