Australien: Im kleinen, feinen Victoria! – Grampians & Great Ocean Road! | BY ANTJE WALDSCHMIDT

Hallo,

in meinem letzten Beitrag habe ich euch von Melbourne, im Südosten von Australien erzählt. Melbourne ist die Hauptstadt Victorias, dem flächenmäßig kleinsten Bundesstaat auf dem Festland, jedoch mit der höchsten Bevölkerungsdichte. Mehr über das kleine Victoria, mit dem wundervollen Nationalpark der Grampians, sowie der 243km langen, geschichtsträchtigen Great Ocean Road, möchte ich euch in diesem Beitrag erzählen.

Willkommen in den Grampians!

Lookout Grampians

Ich stehe auf einem Felsvorsprung, der sich vielmehr wie ein Felsbalkon anfühlt und schaue in ein endlos erscheinendes Meer von Bäumen – das Victoria Valley. Die Sonne sorgt für ein Licht- und Schattenspiel und lässt die riesige Waldlandschaft im Tal in den schönsten Grünschattierungen erscheinen. Einzig ein paar beige Schlängellinien zeichnen sich im Grün des Waldes ab. Das müssen die Wanderwege sein, die durch den Nationalpark führen.

Nur ab und an wird die Stille unterbrochen, denn unter mir zu meiner linken gibt es noch einen weiteren, abgezäunten Felsvorsprung, die „Balconies“. Das ist der wirkliche Balkon der Grampians, der aus der Ferne wie ein Drachenmund erscheint. Doch der Felsvorsprung scheint langsam unter seiner Last zu brechen und so hält sich die Balkonkonstruktion aus Sandstein nach Jahrtausenden nur mühsam. Es wirkt, als gäbe es jeden Moment einen gewaltigen Knall! Doch die paar jungen Selfie-Jäger, die auf dem Balkon flanieren, stört das nicht. Sie klettern über die Absperrung und stoßen kurze Freudenschreie aus als wären sie gerade für den Friedensnobelpreis nominiert worden…

Mich stört es nicht weiter. Ich genieße den Blick auf das unendlich erscheinende grüne Baummeer und atme tief durch. Die wundervollen Grampians, auch Gariwerd genannt (das ist die indigene Bezeichnung des Gebietes), die den westlichsten Teil des Großen Australischen Scheidegebirges bilden, waren mir vor meiner Australienreise nie zuvor zu Ohren gekommen. Um so mehr freue ich mich, diesen atemberaubenden Ort gefunden zu haben!

Neben dem Balkon der Grampians sind die MacKenzie Falls die zweite Besucherhochburg des Nationalparks. Nach einem kleinen Spaziergang das Tal hinab, stehe ich vor den beeindruckenden Wasserfällen, den größten des Parks. Das Wasser schnellt gewaltig hinab und das Bild dieser wuchtigen Fülle ist beruhigend und gewaltig zugleich.

Ich genieße den traumhaften Blick aus der Schlucht auf die majestätischen Fälle, mache mich dann aber doch wieder den Weg hinauf, fernab der Besucherhorden. Es waren mir zu viele Drohnen, die über meinem Kopf hinweg düsten, als dass ich den Wassermassen länger hätte lauschen wollen. Doch kaum, dass ich mich von der Schlucht entfernt habe, finde ich ein lauschiges Plätzchen, um auf die rauschende Wasserattraktion hinunterzublicken und gleichzeitig das Baummeer zu sehen. Berauschend.

Grampians McKenzieFalls

Schließlich ziehe ich weiter und wandere noch ein paar Pfade abseits des Balkons und der Mackenzie-Fälle, und siehe da – es ist komplett ruhig! Keine Menschenseele, ab und an erspähe ich ein paar riesige Spinnentiere in den Pflanzen oder Vögel im Himmel, doch glücklicherweise keine Drohnen, keine Menschenmassen mehr! Ich finde weitere Felsbalkone, vielleicht nicht ganz so bekannt wie die „Balconies“, doch die Aussicht ist genauso traumhaft und die Ruhe noch mehr. Die Grampians sind wunderbar.

Die Nacht verbringe ich in einer unspektakulären Jugendherberge in Halls Gap, dem touristischen Zentrum der Grampians. Doch touristisches Zentrum klingt schlimmer als es ist, denn der Ort zählt gerade mal 300 Einwohner. Was es jedoch en masse gibt, dass sind Kängurus! Inmitten des Campingplatz dieses Ortes kommt sicherlich ein jeder Känguru-Fan auf seine Kosten – ich zumindest hatte größte Freude einfach nur im Gras zu liegen und die Beuteltiere an mir vorbei hüpfen zu sehen : )

Wallabe

HallsGap

243 geschichtsträchtige Kilometer, die Great Ocean Road!

Die Nacht ist kühl und kurz, doch das ist egal. Denn was an diesem Morgen ansteht, dafür brenne ich schon lange: Der Great Ocean Drive! Sieben Sommer habe ich im traumhaften Kapstadt in Südafrika verbracht und kenne die Stadt und den weltberühmten Chapman`s Peak Drive nur zu gut. Natürlich kann und möchte ich keine Parallelen zwischen einer traumhaften, rund 9km (!) langen Küstenstraße mit 114 Kurven auf der Kap-Halbinsel an der Atlantikküste Südafrikas und der wunderschönen, rund 243km langen Straße entlang der australischen Südküste ziehen!

Aber doch! – mein Gefühl täuscht mich nicht! Als wir uns im australischen Victoria die Kurven unmittelbar zwischen Meer und den steilen Felswänden entlang schlängeln und ich den spektakulären Panorama-Blick über Ozean und Felsen genieße, da schießen mir phasenweise unweigerlich Kapstadt-Momente in den Kopf. Eine Gemeinsamkeit haben der Chapman`s Peak Drive und die Great Ocean Road allemal: Sie sind ein natürliches Balsam für die Seele – sie berauschen, sie verzaubern!

Apostel

Die Great Ocean Road (GOR) ist ein nationales Denkmal im Bundesstaat Victoria. Die Straße wurde von heimgekehrten Soldaten des Ersten Weltkrieges im Andenken an ihre gefallenen Kameraden gebaut und ist das größte Kriegerdenkmal, das je geschaffen wurde! Doch genug der Geschichtsstunde. Denn nebst dieser tiefen historischen und kulturellen Bedeutung ist die Great Ocean Road ein wahrhaftiges Naturspektakel! Schroffe Klippen, die tosende See, verträumte Fischerdörfer, malerische Sandstrände, Surf-Hotspots, unzählige Kakadus und prächtige Kalksteinfelsen sind auf der rauen Küstenstraße, an der unzählige Schiffe verendet sind, zu finden.

London Bridge wäre da so ein natürliches Prachtexemplar. Eine besonders schöne Kalksteinformation zweier Felsen mit einer Brückenverbindung zum Festland, die inmitten des seichten, doch wildem Wasser des Ozeans empor ragte. Der Felsen wurde durch natürliche Erosion abgetragen und formte bis 1990 einen Doppelbogen. Wunderschön anzusehen und einst wahrscheinlich auch wunderschön zu bewandern, hätte sich die fragile Felsbrücke nicht eines Tages den Naturgewalten hingegeben und wäre weggeknackt. Denn auch die langsamer verwitternden Bereiche derartiger Gesteinsformationen unterliegen der Erosion, so dass damit zu rechnen ist, dass sie früher oder später in sich zusammenbrechen werden. Glücklicherweise befanden sich damals noch keine Selfie-Jäger auf dem schmalen Verbindungsglied der Felsen, wohl aber auf dem nun vom Festland abgeschotteten Felsbogen! Die beiden Touristen wurden von der neu gebildeten Insel gerettet, bevor die tosende See sie wegspülen konnte! London Bridge heißt seitdem London Arch und gehört zu einer Reihe sehenswerter Felsformationen entlang dieses Abschnitts der australischen Küste.

LondonArch

Dazu gehören natürlich auch die berühmten, im Meer stehenden Felsformationen „Twelve Apostles“ (dt.: „Zwölf Apostel“). Wie könnte man die 243 wunderschönen, geschichtsträchtigen Kilometer zurücklegen, ohne die weltbekannten Zwölf Aposteln gesehen zu haben?

Übrigens hatten die Zwölf Apostel nicht immer diesen werbeträchtigen Namen, sondern waren früher bei den Seeleuten unter The Sow and Piglets (dt.: Die Sau und Schweinchen) bekannt.

Fakt ist auch, dass es keine zwölf Aposteln sind – und wohl auch nie waren! Denn als sich der neue Name in den 50er Jahren verbreitete, bestand die fragile Felsformation trotz ihres Namens nur aus neun Kalksteinfelsen. Nachdem im Jahr 2005 jedoch ein 50m hoher Felsen in sich zusammenstürzte, sind es heute nur noch rund siebeneinhalb Felssäulen. Denn das gleiche Schicksal, das die London Bridge ereilte, zeitigt natürlich auch die pfeilartigen Felsgebilde der „Twelve Apostles“, die durch die erosive Kraft des Meeres im Laufe der Zeit zusammenbrechen.

12Apostel

Aposteln

So sind und waren London Bridge, Twelve Apostles und alle anderen faszinierenden Felsformationen entlang dieses Küstenabschnitts aus geologischer Sicht nur eine Erscheinung von kurzer Dauer. Sie schaffen es unsere – und einige wenige kommende – Generationen in höchstem Maße zu erfreuen, aber werden in einigen Jahrhunderten wohl nur noch den Wert alter Bilder, Fotografien und vielleicht noch Erzählungen aus Großmutters Zeiten haben.

Kein Wunder also, dass ich ein wenig nostalgisch bei dem Maler hängenbleibe, der voller Hingabe und Ruhe inmitten der vielen Besucher der Aussichtsplattform sein Stühlchen aufgestellt hat und die prächtigen Kalksteinformationen auf seinem Bildnis festhält. Tiefenentspannt und ohne mit der Wimper zu zucken. Ach – Maler müsste man sein… !

Maler

Nichts ist für die Ewigkeit! – und seine Kunst mit Sicherheit bald ein Relikt einer anderen Zeit.

Mich hat der Besuch der Zwölf Apostel begeistert – und das trotz der massenhaften Besucher, trotz des diesigen Tages, trotz des starken Windes und trotz der falschen Zahlenangabe! Der Blick auf den weiß schäumenden Ozean, die gewaltige Brandung, die steilen Klippen mit der grünen Vegetation und die einzigartigen beige-braun-orangenen Felswände, dazu das Tosen von Meer und Wind das jegliche Gespräche und Kinderschreie um mich herum einfach wegweht, das ist einmalig.

Ähnlich ergeht es mir auch beim Gesteinsdurchbruch The Grotto, bei der schmalen Felsenklippe Razorback und bei der Schlucht Loch Ard Gorge – alles weitere Landmarken der Great Ocean Road, die an jenem renommierten Abschnitt liegen, der auch als Wrackküste bekannt ist.

Loch Ard Gorge GOR

ZwölfApostel

Loch Ard

Weiter geht´s landeinwärts entlang der GOR mit einem kurzen Abstecher in den satten, grünen Regenwald des Great Otway Nationalparks. Kurz zuvor habe ich noch alte Schiffswracks besichtigt und mit unzähligen weiteren Besuchern skurrile Kalksteinfelsen begutachtet, und nun befinde ich mich plötzlich in einem uralten, gemäßigten Regenwald. Der Great Otway Nationalpark ist landschaftlich abwechslungsreich mit Eukalyptusbäumen, versteckten Wasserfällen, meterhohen Farnbäumen und dem Riesen-Eukalyptus. Letzterer ist ein immergrüner Baum, der ein Alter von etwa 400 Jahren erreichen kann und als der höchste Laubbaum der Welt gilt. Vielleicht sogar der höchste Baum überhaupt ? – doch eigentlich ist´s egal, denn wer einmal unter dem Riesen-Eukalyptus zum Stehen kommt und einen Blick nach oben wirft, wird sich allemal (aufs Neue) – mit einer eigenartigen Faszination – der eigenen Winzigkeit bewusst.

Vom Great Otway Nationalpark geht´s weiter ins malerische Apollo Bay, das ungefähr in der Mitte der Great Ocean Road liegt. Es ist von grünen Hügeln umgeben, die an den Norden Schottlands erinnern. Lohnen tut hier sicherlich auch ein Besuch bei Dooley’s Ice Cream, das praktischerweise direkt gegenüber vom Strand liegt. Dooley’s Premium Schokoladeneis hat im Jahr 2016 den angesehenen Australian Grand Dairy Champion Award gewonnen und natürlich kann ich mir das nicht entgehen lassen!

Nachdem ich die lange Schlange von Gleichgesinnten hinter mir gelassen habe, komme ich den Worten des charmanten Verkäufers nach – und probiere „so viel wie ich mag“. Eigentlich nicht meine Art, doch dem recht teuren australischen Dollar und meiner süßen Gefräßigkeit geschuldet, kommt mir dieses verlockende Angebot gelegen. Insgesamt komme ich auf sieben Geschmacksrichtungen, wobei auch Australiens Brotaufstrich Nr. 1, – das für meinen Geschmack furchtbar schmeckende Vegemite, – dabei ist. Immerhin: Ich bin über meinen Schatten gesprungen und habe Vegemite eine Chance gegeben. Leider war´s Vegemite nicht wert! Dooley’s Ice Cream selbst ist den Besuch dahingegen allemal wert!

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Doch Apollo Bay ist nicht nur ein malerisches Örtchen mit leckerem Eis, sondern hier startet auch der traumhafte Great Ocean Walk. 104km pure Wanderfreude von Apollo Bay bis hin zu den Zwölf Aposteln entlang der faszinierenden Küstenlandschaft der GOR. Übernachten kann man entweder in den Herbergen, der auf dem Weg gelegenen Dörfer oder in einem der sieben Campingplätze, die sich inmitten der Natur befinden und zwischen 10 bis 15 km voneinander entfernt liegen. Meine Zeit hat dafür leider nicht gereicht, doch sollte ich eines Tages zurück nach Victoria kommen, dann steht der Great Ocean Walk ganz oben auf meiner Liste. Wahrscheinlich direkt neben dem Grampians Peaks Trail : )

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Hinweis: Die klassische Great Ocean Road startet offiziell in Torquay und führt dann 243 Kilometer entlang der australischen Südküste bis nach Warrnambool. Ich habe das Pferd quasi von hinten aufgesattelt und bin nicht vom Osten in den Westen, sondern vom Westen in den Osten gefahren. Heraus kam selbstverständlich das selbe : ) Manch einer hält diese Tour jedoch für die bessere Variante, da viele Besucher von Melbourne einen Tagesausflug entlang der GOR machen. Startet man nun aber im Westen Richtung Melbourne, dann ist man zeitiger an den stark besuchten Höhepunkten der Wrackküste und entgeht so dem größten Besucheransturm.

Bis dahin! Eure Antje

VictoraValley

4 Kommentare

  1. Hat dies auf MacCoach rebloggt und kommentierte:
    Aus Zeitmangel werde ich es in den kommenden Wochen kaum schaffen, tiefgreifende Artikel zu veröffentlichen. Bin gerade unterwegs im Selbstversuch: Lehrer/Quereinsteiger. Mal sehen ob ich es überlebe 😉 Aber ich möchte euch den Beitrag hier wärmstens empfehlen. Eine sehr schöne Reportage über eine Reise in Neuseeland! Respekt! Gut fotografiert und geschrieben!

    Gefällt mir

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