Malaysias Penang: Die Perle des Orients | by Antje Waldschmidt

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Hallo,

heute möchte ich euch von einer Insel erzählen, die mich komplett in ihren Bann gezogen hat! Dass nicht nur wegen der hübschen Inselhauptstadt George Town, die sich am besten als „entspanntes Freiluftmuseum“ umschreiben lässt, sondern wegen der Gelassenheit, dem Charme und der Einzigartigkeit der Insel selbst.

483Die Insel Penang liegt an der Straße von Malakka im Nordwesten Malaysias und ist auch als „Perle des Orients“ bekannt. Malaysia ist ein multiethnisches und multireligiöses Land im südöstlichen Asien, mit starker islamischer Prägung. Daraus, aber auch aufgrund der strategischen Lage der Insel, geprägt durch Kolonialismus, Handel und Tourismus, lässt sich erklären, dass Penang ein Mekka der kulturellen Vielfalt und religiösen Gelassenheit ist. Ob buddhistische Chinesen, muslimische Malaien, hinduistische Tamilen oder christliche Inder und Chinesen, sie alle sind Malaysier, sie alle leben auf Penang. Sie alle haben dazu beigetragen, dass diese Insel etwas ganz besonderes ist und einen gewaltigen Charme versprüht, der sich nur schwer in Worte fassen lässt …

 

Ein Spaziergang durch George Town

Die Hafenstadt George Town ist die Hauptstadt des Bundesstaates Penang sowie der gleichnamigen Insel. Ich erreiche die Busstation Komtar am Abend und entscheide mich entgegen der Empfehlung der Einheimischen nicht für den Stadtbus, um zu meiner Herberge nach Chinatown zu gelangen. Nein, ich laufe!

Während ich meinen Rucksack etwas geschwächt von der langen Fahrt durch die Straßen schleppe, überholen mich gemächlich einige Fahrrad-Rikscha. Langsam ziehen die Fahrer in ihren bunten, hübsch dekorierten Gefährten an mir vorbei, natürlich nicht ohne mir eine Fahrt angeboten zu haben. Doch ich bleibe eisern, obwohl sich bereits kleine Schweißperlen auf meiner Stirn sammeln. Denn auch am Abend ist es noch unerträglich feucht-heiß auf der malaysischen Insel. Die Fahrrad-Rikscha oder Trishaw ist in der malaiischen Sprache auch als Beca bekannt und hat eine lange Tradition auf Penang. Schließlich ist sie das ideale Verkehrsmittel für die engen, schmalen und verwinkelten Gässchen der Insel.

406Ich ziehe weiter an traditionellen chinesischen Läden, prächtigen kolonialen Gebäuden, und hübsch dekorierten Tempeln vorbei. Wenn es in George Town an einem mangelt, dann sind es gut ausgebaute Bürgersteige! Ich bahne mir also meinen Weg an den fahrenden Autos vorbei, ebenso durch die vielen belebten Straßenimbisse hindurch. Es fällt mir schwer dem verlockendem Geruch, aus Gegrilltem, Kokos und süßen Früchten, zu widerstehen. Die malaysische Hauptstadt Kuala Lumpur und die Insel Penang haben den Ruf das beste Streetfood des Landes zu bieten – und das kann ich nur bestätigen. Doch an diesem Abend bin ich nur Zuschauer des gewaltigen Schlemmer-Spektakel, das sich an jeder dritten Ecke zu offenbaren scheint.

485Plötzlich erreiche ich eine große Straße und erblicke eine weiße Moschee mit gelben Kuppeln und Türmen, die von einer niedrigen Mauer umgeben ist. Es ist die Kapitan Keling Moschee, die 1801 fertiggestellt wurde, und auf Wunsch der wachsenden indischen muslimischen Gemeinschaft erbaut. Ein paar Meter weiter sehe ich indische Familien in ihren traditionellen Saris vor einem großen Hindu-Tempel, dem Sri Mahamariamman Temple. Als ich meinen Weg fortsetze erspähe ich in der selben Straße einen chinesischen Tempel, den ältesten Penangs. Es ist der daoistische Kuan Yin Temple. Auch eine Kirche fällt mir auf. Ich habe mich etwas verlaufen wie ich kurz darauf auf einer Infotafel mit Stadtkarte von George Town feststellen muss. Doch das ist nicht weiter schlimm. Dafür habe ich nun bereits die Jalan Masjid Kapitan Keling (Pitt Street) gesehen, eine der ältesten Straßen der Stadt, die aufgrund ihres kulturellen, religiösen Erbes auch gerne als „Street of Harmony“ betitelt wird.

432Mein Kopf fühlt sich bereits etwas nass an als ich endlich in die Muntri Street (Lebuh Muntri) einbiege. Ich laufe an großen Wandgemälden auf Häusermauern vorbei und auch die bekannten Kunst-Installationen und stählernen Karikaturen im großen „Freiluftmuseum“ George Town bleiben nicht unentdeckt. Letztere sind nachts beleuchtet und laden zum Stehenbleiben ein. Das passt auch perfekt zu dem Städtchen, denn ich habe das Gefühl, dass die Uhren hier langsamer zu ticken scheinen und sich auf Penang auch wirklich die Zeit genommen wird inne zu halten.

Kunstinstallation Voices of the People

 

George Town ist bekannt für seine Kunst, wenn man die Altstadt nicht sogar selbst als reines Kunstwerk bezeichnen möchte. 2008 wurde das historische Herz der Stadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Um der Kulturstadt ihre ganz persönliche Note aufzulegen, rief die Regierung von Penang schließlich zu einem Ideenwettbewerb aus. Gewonnen hat ein lokaler Künstler zu dem Thema „Voices of the People“. Anhand von 52 stählernen Installationen an George Towns Häuserwänden wird seitdem auf humoristische Weise die Geschichte zu den einzelnen Straßen und ihren Bewohnern erzählt. Seitdem entstehen jährlich neue Straßenkunstwerke. Die 2012 vom jungen litauischen Künstler Ernest Zacharevic geschaffenen Wandbilder, durch Objekte unterstützt und dadurch interaktiv, sind die populärsten Kunstwerke in George Town.

Straßenkunst Ernest Z.

Straßenkunst Children on Bicycle

Children on swingNun tropft mir bereits die erste Schweißperle von der Stirn. Zum Glück habe ich meine Herberge fast erreicht. Der Geruch von Räucherstäbchen liegt in der Luft als ich an einem rot gelben Tempel vorbeilaufe. Vor einem in die Jahre gekommenen, charmantem Gebäude sitzen ein paar ältere chinesische Herren mit luftigen Hemden. Sie spielen Karten während wunderbare klassische Musik lautstark aus ihrer geöffneten Wohnungstür dringt.

Alles fühlt sich so relaxt, so friedlich an diesem Abend an und spiegelt auf faszinierendste Weise das tiefen entspannte Leben der Stadt George Town wider.

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Wildes tropisches Inselparadies

Eigentlich möchte ich George Town gar nicht verlassen. Doch auf Penang, das im Übrigen Malaysias viertgrößte Insel ist und größenmäßig in etwa 1/3 von Singapur (293 km² vs. 719 km²) entspricht, gibt es noch mehr zu sehen als die wunderschöne Insel- und Bundeshauptstadt George Town!

So sitze ich wenig später im Bus 101 und fahre rund 45 Minuten zur Endstation – dem Penang Nationalpark. Der ist zwar nur rund 25 km² groß und damit der kleinste Nationalpark der Welt, doch beherbergt eine Vielzahl tropischer Pflanzen- und Tierarten. Im Nationalpark mache ich mich mit zwei jungen Indonesierinnen auf, um durch den Dschungel nach Pantai Kerachut zu wandern. Doch plötzlich habe ich nicht mehr das Gefühl, das mir die Parkskizze vermittelt: nämlich dass dieser Nationalpark klein ist! Trotz des dichten Waldes scheint die Sonne im feucht-warmen Regenwald täglich ihre intensiven 12 Stunden. Das verdunstete Regenwasser scheinen nicht nur die Pflanzen zu transpirieren, sondern auch ich! Schweißgebadet trotte ich in meinen kurzen Hosen hinter den Indonesierinnen Devi und Rani her, die frohen Mutes, lang bekleidet und mit Kopftuch, den sumpfigen Weg entlang stapfen. Ich suche ihre Gesichter nach kleinsten Anzeichen der tropischen Hitze und Erschöpfung ab, doch finde nichts,- außer eines breiten Lächelns.

Penang NationalparkGlücklicherweise erreichen wir schon bald ein sauberes weißes Sandstück Strand – eine kleine blaue Oase umrahmt vom grünen Dschungel. Das ist Pantai Kerachut. Der erste Eindruck ist traumhaft, doch der zweite Blick aufs grünlich blaue Wasser mit der starken Brandung und der Warnung vor Quallen zerschlägt meine Hoffnung endlich ins kühle Nass zu springen. Rani und Devi gehen zum Mittagsgebet während ich in der Schildkröten-Brutstätte ein paar Suppenschildkröten begutachte.

Bald darauf nehmen wir ein kleines Boot und lassen uns zum Monkey Beach fahren. Unser Boot hüpft, schlägt hart auf den Wellen auf und schaukelt unsacht. Doch die Fahrt ist toll! Das nicht nur weil wir auf dem Andamanischen Meer schippern und der Blick auf die kleinen leeren Strände und den tropischen Regenwald traumhaft ist, sondern auch, weil endlich ein kühles Lüftchen weht. Danach ächzte mein erhitzter Körper bereits seit Stunden!416.jpgDie Fahrt ist schneller vorbei als mir lieb ist und schon erreichen wir Monkey Beach. Monkey Beach ist ein langgezogener mit Kokospalmen bewachsener Sandstrand, der in eine malerischen Bucht eingenistet und vom dichten grünen Regenwald umgeben ist. Es ist ruhig an diesem Tag. Die kleinen Strandbars sind fast alle verlassen, schließlich befinden wir uns bei meinem Besuch in der muslimischen Fastenzeit. Erst nach Ende des Ramadan startetet der Tourismus wieder voll durch.

Auch hier am Monkey Beach ist das Wasser grünlich. Ein junger Malaysier mit blond gefärbten Haaren und Zigarettenstummel im Mund warnt mich vor Quallen und zeigt mir die Striemen an seinen Beinen. Ich entscheide mich daher nur für einen kurzen Abstecher ins Meer. Doch das kühle Nass wirkt Wunder und regeneriert meinen ermatteten Körper wieder. Kurze Zeit später sitzen Devi, Rani und ich in einer der spartanischen Strandbars und schlürfen kühles Kokoswasser. In diesem Moment denke ich noch nicht an die gute Stunde heißen Dschungelmarsch, der uns noch bevorsteht, um wieder zurück zum Eingang des Nationalparks zu kommen.Monkey BeachNein! Ich genieße meine Kokosnuss und lasse meinen Blick in die kleine weiß blaue Dschungeloase schweifen. Oh Penang – du bist so wunderbar, so vielseitig! Penang – ich werde wiederkommen!

Bis bald! Eure AntjeMonkey Beach

 

 

 

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