„Krav Maga – so schützt man sich vor Übergriffen…“

Ahoi, aus dem sonnigen Hamburg.

Getreu dem Motto: „Don´t get hurt – Lass dich nicht verletzten“, habe ich an einen schönen Montagabend gleich die erste Regel beim taktischen Selbstverteidigungssystem – wofür Krav Maga steht – von Tino Enders gelernt. Tino ist ein Trainer, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Trainiert, sympathisch und Profi. Genau genommen: Founder & Lead Instructor  – was übersetzt soviel heißt, dass er Krav Maga mit vollem Einsatz betreibt. I´m ready. Für meinen Kontaktkampf!

Israelisch – ja. Kampfsport – nein. 

Krav Maga gibt es schon lange. Ursprünglich für das israelische Militär entwickelt, dient es heute dem Verteidigen in Konfliktsituationen im Alltag. Also ein effektives System, welches Schlag-, Tritt- und Grifftechniken trainieren soll. Dazu gehört auch taktisches Training, wie mir Tino zu Anfang erzählt. Das ist immens wichtig, denn ich soll erst gar nicht in Konflikte reinkommen, sondern lernen aus diesen herauszukommen, ohne Gewalt anzuwenden. Soweit okay. Aber das ist doch nicht alles oder Tino?

Tino:  Natürlich nicht. Um das genau zu verstehen, will ich dir es anhand von drei Säulen erklären, in die sich Krav Maga aufteilen lässt.

  1. SELF DEFENSE – Selbstverteidigung. Klassisch. Wenn du angegriffen wirst, musst du dich auch verteidigen.
  2. 3rd PARTY PROTECTION – dem Verteidigen dritter Personen. Also jedermann, mit dem du unterwegs bist und der in eine Notlage gerät und dem du dann schützen musst. Also Nothilfe leisten musst.
  3. COMBAT & FIGHTING (Tactics)  der ungünstige Zustand, in den man nicht mehr weglaufen kann, sondern gezwungen ist, sich zu verteidigen. Hier ist der Gegner in einer Vielzahl und es geht nicht mehr um die reine Selbstverteidigung. Du benötigst mehr Ressourcen, ein besseres taktisches Verhalten, um eine Chance zu haben, aus diesem Konflikt heraus zu kommen.

Zugegeben das klingt sehr heftig, wenn man sich eine solche Situation vorstellt, wo man dies anwenden muss.

Tino: Das ist auch der Grund, warum viele Menschen Angst haben einzuschreiten, weil sie nicht wirklich wissen, wie sie den Leuten helfen können und die Gewalt dann plötzlich auf sie überschwappt.

Daher ist das erste was ich lernen werde, mich selbst zu verteidigen, bevor ich es bei Anderen tun kann!

Mein Selbstversuch – eineinhalbstündiges Selbstverteidigungstraining

Wir sind eine gemixte Klasse. Männer und Frauen. Es ist ein Basic-Training. Obwohl ich das erste Mal dabei bin und einige sich schon kennen, wird mir gesagt, dass es nicht schlimm ist, denn es wird vieles wiederholt. Wir stellen uns in zwei Reihen auf, Tino steht vor uns. Er erzählt uns, was heute anstehen wird. Das Training ist strukturell aufgebaut. Vier Bereiche werde ich kennen lernen und trainieren.

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Meine Trainings-Buddys.
  • Technik – bestimmte Situationen, die draußen passieren können, werden trainiert.
  • Physisches Training – aufwärmen und die Fitness trainieren.
  • Taktisches Verhalten – was mache ich wann, wie bewege ich mich, wie spreche ich mit der Person, wo laufe ich hin.
  • Mentale Stärke – Stresssituationen werden geübt, ruhiges handeln und wie meine „kontrollierte Aggression“ zum Vorschein kommt.

Spätestens jetzt weiß ich, dass dies kein einfacher Spaziergang wird, sondern hier geschlagen, getreten und weggelaufen wird –  alles so realistisch, wie es nur geht.

Warm-up & Stretch

Wir laufen. Querbeet im ganzen Raum. Dabei soll jeder versuchen den Anderen zu berühren und dabei gleichzeitig Versuche, selbst berührt zu werden, abwenden. Es geht dabei um reflexartige und schnelle Reaktionen. Es folgen weitere Übungen. Tino macht vor, wir machen nach.

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Aufwärmübung:  Im Raum herumlaufen und den Anderen versuchen zu berühren.

Es folgt die nächste Übung. Wir schlagen mit der Faust in die Luft. Als wäre da unser Angreifer. Liegestütze zu zweit. Ich stütze mich am Körper meines Vordermanns, während er das Gewicht hält. Anstrengend.

 

Nun das Schlagpolster. Mit abwechselnd flacher Hand soll mit voller Energie auf das Polster seines Gegenübers eingeschlagen werden. Aggression soll raus.

 

Alle Übungen sind Teil der Aufwärmphase. Manch einem hört man den Kraftakt der Übungen regelrecht an. Ächzen, schwitzen…nicht aufgeben! Ich bemühe mich.

Der Technik Teil 1: Der Messerangriff

Es folgt das Rollenspiel. Ich lerne nun, wie ich mich verhalten muss, wenn mein Angreifer zum Messer greift. Die beste Reaktion wäre zurück zu weichen und zu versuchen einen guten Fluchtweg zu finden. Hier ist sie wieder – die Taktische Reaktion. Situation erkennen, sein Umfeld beobachten, aus der Situation entkommen. Doch oft erfolgt ein Angriff aus kurzer Distanz. Wenn ich es nicht erwarte. Was nun?

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Der Messerangriff. Tino erklärt, worauf zu achten ist.

Tino zeigt es uns. Ich lache oft im Training. Aber nicht, weil ich die Situation nicht ernst nehme, sondern, weil ich Spaß habe. Tino erklärt mir, dass das auch wichtig ist. Denn dadurch beschäftigt man sich im Training nicht so sehr mit der Ernsthaftigkeit. Man ist dadurch weniger blockiert. Das spüre ich auch.

Wir üben zu zweit. Ein Mann. Sehr gut. Real. Er zückt das Messer von hinten aus seiner Hose. Ich führe meine flache Hand gegen das Handgelenk meines Gegenübers. Langsam. Kontrolliert. Wie alle Übungen die folgen, denn so verankert es sich besser im Kopf. Wir üben die richtige Schlag- und Tritttechnik. Das Messer fliegt zu Boden. Mein Körper geht leicht nach rechts – meine rechte Hand schützt gleichzeitig mein Gesicht. Schutzhaltung. Dann soll ich ihm eins auf „die Eier“ geben. Im ersten Moment zögere ich. Doch dann tue ich es. Das ist geil.

Die Übung wird wiederholt. Etwas schneller. Wir tauschen unsere Rollen.

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Das Schlagkissen wird hinzugenommen. Es steht für meine Wertsachen.

Der Technik Teil 2: Der Messerangriff im sitzen

Wir sitzen. Der Angreifer kommt mit dem Messer auf uns zu. Blitzschnell müssen wir aufstehen und um den Stuhl herum. Schutz. Wiederholung. Diesmal schützen wir uns mit dem Stuhl vor dem Angreifer. Dabei wird uns erklärt, wie wir den Stuhl greifen sollen – an der Lehne und im Sitzbereich. Logisch. Nicht jeder Stuhl ist ein Armlehnenstuhl. Check.

 

Der Technik Teil 3: Der Messerangriff mit dritter Person

Safety First – Sicherheit zuerst! so heißt es im Krav Maga. Vor allem Situationen, wo man mit Freunden oder den geliebten Menschen unterwegs ist, sind keine Seltenheit. Auch hier lernen wir uns zu schützen. Der Angriff erfolgt. Meine Partnerin stellt sich vor mich. Schlägt unseren Angreifer das Messer aus der Hand. Es folgt der obligatorische Schlag in die untere Zone. Sie greift mich am oberen Arm und zieht mich mit. Auch hier ist die Grifftechnik entscheidend. Jetzt heißt es „run“. Weg aus der gefährlichen Situation.

 

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Der Gegner wurde getreten und geschlagen. Wegrennen aus der gefährlichen Situation.

Es folgt die Abwärmphase – Cool down, Dehnung verbessern, Regeneration. Wir stellen uns wieder in eine Reihe. Tino klatscht ab und jeder folgt seinen Vordermann. Der Kontaktkampf – meine Basic-Stunde Krav Maga ist somit beendet.

 

Mein Fazit: Krav Maga hat mir gezeigt, wie ich meine Fähigkeiten und Ressourcen trainieren kann, um zu keinen Opfer zu werden. Selbstverständlich reicht das nicht aus, dazu müsste ich mindestens 1 mal in der Woche zum Training kommen, um am Ball zu bleiben, einen bestimmten Rhythmus zu entwickeln und meinen Körper kennen zu lernen – Koordination. Für den Augenblick? Ich habe erfahren können, wie es ist, in einer Stresssituation zu sein und in dieser zu handeln. Bei Krav Maga geht es immer dabei sich selbst und Andere zu schützen. Also denkt dran: Safety First – Don´t get hurt!

Wollt ihr auch Selbstverteidigung erlernen  – dann macht Krav Maga.

Es grüßt Euch – Alice aus Hamburg.

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