Kettlebell: ein altes Trainingsmittel neu entdeckt – Beitrag von Angelo Stefanou

Fast jeder kennt sie vom Sehen, aber nur Eingeweihte kennen ihren Namen: die Kettlebell. Wobei, eigentlich heißt sie auch Rundgewicht. Oder Kugelhantel. Und für manche auch Gyria. Auf alten Zirkus-Bildern begegnet man hin und wieder Strongmen, starken Männern also, die große kugelförmige Gewichte an einem daran befestigten Griff in die Höhe ziehen. Die Zeit dieser altertümlichen Zirkusattraktionen ist zwar mehr oder weniger vorbei, doch dafür hält die Eisenkugel – jetzt als Kettlebell – Einzug in die Fitness-Studios der Welt.

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Das Besondere an der Kettlebell ist ihr Schwerpunkt. Genauer gesagt, wo sich ihr physikalischer Schwerpunkt befindet, außerhalb des Griffes nämlich. Anders als bei einer normalen Hantel, die ausbalanciert in der Hand liegt, sorgt die Kettlebell bei vielen Übungen für ein ordentliches Maß an Instabilität. Um eine Übung trotzdem ohne Umfallen durchführen zu können, setzt man bewusst und unbewusst Muskeln im ganzen Körper ein. Aus einer Bizeps-Übung wird so ganz schnell ein Ganzkörper-Workout. Im Prinzip fühlt sich das Training mit einer Kettlebell so an, als ob man einen gefüllten Koffer am Handgriff anhebt und bewegt. Wer mal ein übervolles Gepäckstück am Flughafen abgegeben hat, der weiß, was ich hier meine. Wie schnell passiert es, dass man beim Hochwuchten fast selber auf dem Gepäckband landet! Der Kampf gegen diesen Verlust der Stabilität ist es, worum es beim Training mit einer Kettlebell in erster Linie geht.

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Weil sich mit einer Kettlebell so gut die instabilen Bewegungsabläufe des Alltags nachstellen lassen, wird sie gerade im Functional Fitness Training gerne verwendet. Neben dem reinen Anheben des Gewichts spielt bei vielen Kettlebell-Übungen die Schwungkraft eine große Rolle. Anstatt die Kettlebell langsam und gleichmäßig in eine bestimmte Richtung zu bewegen, beschleunigt man sie mit Schwung und kontrolliert im Anschluss durch Festhalten lediglich ihre weitere Flugbahn. Das ist fast wie jonglieren, nur ohne das Loslassen der Bälle. Wobei es auch Menschen gibt, die tatsächlich mit Kettlebells jonglieren. In den 1920ern war das in den sogenannten Rundgewichtsriegen deutscher Turnvereine durchaus üblich.

Seit dieser Zeit sind Kettlebells in Deutschland irgendwie in Vergessenheit geraten. Ihr Comeback verdanken sie nun zu großen Teilen der Functional-Fitness-Welle, die im letzten Jahrzehnt aus den USA nach Europa geschwappt ist. Wobei sich die Amerikaner kurioserweise darauf berufen, dass sie sich die Kettlebell als Trainingsgerät in den ehemaligen Sowjet-Staaten abgeschaut haben. Dort spielen Kettlebells tatsächlich eine große Rolle, allerdings nicht nur als Trainingsmittel, sondern vor allem als eigenständige Sportart. In verschiedenen Disziplinen führen aus dieser Region stammende Verbände Meisterschaften durch, inzwischen sogar auf internationalem Parkett. 2014 fand beispielsweise in Deutschland eine Kettlebell-Weltmeisterschaft statt – in Hamburg, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Die vielen Namen und die unterschiedlichen Verwendungen der Kettlebell machen deutlich: das eine, einzig wahre Training mit Kettlebells gibt es nicht. Aber es gibt inzwischen viele gute Sport- und Fitness-Angebote rund um das Rundgewicht. Ob Anfänger oder Athlet, jeder kann für sich das passende Kettlebell-Programm finden. Das kann zu Hause stattfinden oder in einem Bootcamp. Wichtig ist aber, sich zumindest die Grundsätze des sicheren Umganges mit Kettlebells von einem erfahrenen Trainer zeigen zu lassen. Damit beim Kampf mit der Schwerkraft immer der Richtige gewinnt!

Übungen und Motivationstipps zum Training mit Kettlebells findet Ihr auch auf meinem Blog

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