Bouldern: Klettern mit Kraft, Eleganz und Grips. Spiderman lässt grüßen!

Ahoi, aus Hamburg.

Bouldern ist Trend. Bouldern ist klettern ohne Seil in Absprunghöhe in einer Halle. Allerdings bedeutet dass stürmen einer Felswand bzw. eines Felsbrocken – was Boulder wörtlich übersetzt heißt – nicht einfach ab an die Wand, die übrigens eine Höhe von bis zu 4,55m messen kann. Nein, beim „Boulderproblem“ besteht die Anforderung darin, mit Köpfchen und Strategie einen Route im wahrsten Sinne des Wortes zu erklimmen. Das heißt maximal schwierige Kletterzüge und Bewegungen aneinander zu reihen und somit im besten Fall einen Flash zu schaffen.

Stichwort Flash(h). Der Flash bezeichnet eine Rotpunkt-Begehung, bei der Kletterer eine Route gleich im ersten Versuch mit Bravour bestehen. In erster Hinsicht aber der Ort, daher das zweite „h“ für Hamburg, an dem ich mich mit Verena und Tobi – beide Boulderer aus Leidenschaft – für ein Boulder Spot verabredet habe.

 Nach einer lieben Begrüßung und einem herrlich erfrischenden LEMONAID erzählt mir Verena, wie schön der Sport sein kann. Denn anders als zum klassischen Klettern ist bouldern sehr sozial. Dadurch das man einfach losstiefeln kann, immer auf der Matte steht, kommt man mit anderen Leuten leicht ins Gespräch. Das fällt mir auch sofort auf, als ich kleine Grüppchen ausmachen kann – was das Ganze für mich schon von Beginn an sympathisch macht. Ein weiterer positiver Effekt dessen ist, dass man nicht an bestimmte Zeiten gebunden ist, wie beim Klettern, wo man den Seilpartner dabei haben muss. Man ist also sehr flexible. Top! Die meisten von uns sind nunmal an feste Arbeitszeiten gebunden.

Körperspannung, Kraft, Konzentration

Als Anfängerin interessiert mich natürlich in erster Hinsicht, was das Bouldern so besonders macht. Dass es ein geselliger Sport ist, ist mir nun klar. Ich arbeite mit meinen Kopf und meiner Konzentration, denn beim Bouldern geht es nicht darum, eine Wand rauf und dann wieder runter zu klettern. Es geht um Routen und um das taktische Vorgehen dieser. Aber auch um Bewegungsvielfalt. Im Alltag sind die meisten Bewegungen die ich mache, meist sitzen und den Kopf mal hin und her bewegen. Mit Bouldern soll der Ausgleich geschaffen werden, denn ich seh schon, dass es viel mit Körperspannung und Balance zu tun hat. Mein Rücken soll dadurch gestärkt werden und somit einen Bandscheibenvorfall entgegen gewirkt werden.

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Der ganze Boden ist mit weichen Matten ausgelegt – Verletzungsgefahr gleich null.

 Eine Anamnese gibt es nicht. Ein kleiner Haftungsausschuss wird am Tresen unterschrieben und es gibt eine kleine Einführung. Schließlich sollte jeder seine Handicaps kennen. So wirkliche Ausschlusskriterien gibt es nicht. Das finde ich super und das macht diesen Sport so Besonders. Selbst die etwas Beleibten unter uns können durch das Bouldern gefördert werden, denn die Routen sind immer auf maximale Kraft ausgelegt.

Welcome to the next Level

Nachdem ich also mit ausreichender Info ausgestattet worden bin. Erklärt mir Verena noch abschließend, was es mit den bunten Farben und den Griffen auf sich hat. Bevor ich in die Obhut Tobis übergeben werde und endlich starten kann.

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Die bunten Farben stehen für die Schwierigkeitsgrade und sind von der Form her im Flashh-Logo gehalten.

Die Schwierigkeitsgrade definieren sich über Farben und einem Level von 1-8. Dabei definiert „weiß“ das niedrigste Level, was für Anfänger, wie mich auch als Start optimal ist. Das Risiko steigt natürlich mit den Graden. Diese definieren sich dadurch, dass sich die Komplexität der Route mit den Schwierigkeitsgrad erhöht. Man sagt dazu „Boulderproblem“. Wo wir wieder am Anfang wären – also wird mir die Farbe den Weg anzeigen, an dem ich meine Route zu bewältigen hab. Allerdings befinden sich an den farbigen Griffen selbst noch Schilder, ebenfalls in einer Farbe. Diese zeigen mir dann meinen Schwierigkeitsgrad. Puh! Viel Input. Nachdem ich aber nun ausreichend aufgeklärt bin, geht es endlich los.

The Flow

Tobi ist jung, sportlich und ein super Coach. Zuerst machen wir ein kleines Warm-up. Zugeben, dass erinnert mich etwas an Bruce Lee, denn die Stretch-Übungen sehen simple aus, haben es aber in sich. Sie sollen mich auf den bevorstehenden Kraftakt an der Wand vorbereiten.

Ich trag bequeme Sportkleidung mit einer langen Leggings – was gut ist, denn die Wände und Griffe sind relativ rau. Handschuhe benötige ich nicht. Die eigenen sich auch nicht dafür, denn meine Hand kann innerhalb dieser abrutschen. Chalk = Kreide wird hier benutzt. Boulderschuhe bekomme ich geliehen. Die sind an der Sohle und Spitze etwas fester, als Sportschuhe. Damit soll mir das Klettern in den Griffen erleichtert werden.

Die Griffe sehen lustig aus und manche sind skurril. Es gibt Routen, die haben bis zu 4 Griffe und welche, die eine Traverse aus 9-10 Griffen bilden.

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Ein Kopf? Bouldergriffe haben verschiedene Größen und Formen und sind zum leichten bis mittel-schweren Bouldern geeignet.

Ich sehe die Wände und Tobi. Dieser sucht für mich eine Wand mit weißen Griffen aus. Er zeigt mir, wie ich mich an den Griffen festhalten soll und wie ich mit Händen und Füßen zusammenarbeiten kann. Ich bin bereit für meinen Flash(h)!

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Am Anfang arbeite ich nicht viel mit meinen Beinen. Mein Kopf sagt mir was anderes. Aber mein Gewicht stütze ich – automatisch – zu sehr mit meinen Händen. Nehme dadurch eine Blockierhaltung an, dabei wurde mir gesagt, dass ich darauf achten soll, die Arme lang zu lassen und sauber zu stehen. Dass entlastet meine Muskulatur. Schwer.

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Nach ein bis zwei Versuchen, gelingt es mir dann doch noch…

Doch dann passiert es. Ich mache die Bewegung ohne denken. Mein Geist fliegt den Körper hinterher. Er schaut auf meinen Körper und greift nicht mehr ein. „The Flow“ nennt sich das. Ich springe auch nicht mehr, wie zuvor von ganz oben nach unten auf die Matte, sondern schaffe es runter zu bouldern, wie es im Fachjargon heißt. Das ist ein Glücksgefühl. Yeah!

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Geschafft! Der Tobi und ich.

Mein Flow

Die Schrauber

Nach einer Stunde bin ich durch. Meine Händen machen es nicht mehr mit. Meine Kraft ist da, aber meine Haut schafft es nicht mehr. Sie ist etwas rau von den Griffen. Normal für einen Anfänger. Bis zu 2 1/2 Stunden kann man ein Level schonmal durchbouldern, manche Profis sogar bis zu 4 Stunden.

Es gibt viele (komplexe) Routen. Viele Boulderer haben auch ihre eignen Projekte. Das heißt, dass sie bis zu mehrere Tage an einer Route sitzen, bis sie sie dann geschafft haben.

Einige Wände bleiben bis zu 4 Wochen bestehen. Danach wird dran rumgeschraubt. Viele Mitarbeiter sind also Boulderer und Schrauber in einer Person.

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Damit es nie langweilig wird – Mitarbeiter „Schrauber“ überlegen sich neue knifflige Routen mit neuen Schwierigkeitsgraden, die sie dann anschrauben.

Mein Fazit: Bouldern ist sehr cool. Ich kam mir vor wie Silvester Stallone im Cliffhanger. Und genauso wie im Film, hab ich mit Bouldern eigentlich das Klettern mit Seil verbunden. Was es nicht ist. Das hier nicht nur Körperspannung gefragt ist, sondern auch Köpfchen, war mir zuerst nicht bewusst. Eine Idee und Strategie für ein Sport zu entwickeln ist nicht nur neu für mich, sondern eine Herausforderung. Schließlich ist es genau das Zusammenspiel, was Bouldern so speziell macht. Ein Gruppensport ist es allemal.

Wollt ihr auch den Flashh?  Dann probiert es aus.

Die Challenge ist für jedermann und beginnt am 23.07.2016

Es grüßt Euch – Alice aus Hamburg.

6 Kommentare

  1. Ich habe letztes Jahr mit dem Bouldern begonnen und kann es uneingeschränkt empfehlen! 🙂 Es macht riesig Spaß, man macht vor allem als Anfänger schnelle Fortschritte und erklimmt plötzlich Routen, die man einige Woche zuvor niemals geschafft hätte! 🙂 Da fällt einem erst mal auf, wie schwer es eigentlich sein kann, den eigenen Körper zu manövrieren 🙂

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