WIE LAUFE ICH DIE 200 M AM SCHNELLSTEN? Beitrag von Personaltrainer Daniele Biffi

Um die 200 Meter zu laufen ist es absolut notwendig, zu wissen, wie man die Kräfte und Energien verteilt. Schnell reinzugehen ist wichtig, aber man sollte verstehen, dass es unmöglich für einen Menschen ist, die kompletten 200 Meter an der Grenze der Belastung zu laufen, besonders wenn man kein Profisportler ist.

Wie in allen Disziplinen der Leichtathletik gibt es keine Taktik, die besser als andere ist. Jeder muss die für sich geeignete finden. Trotzdem sollte man jedes Mal die Strategie an die Witterungsbedingungen (Wind, Regen, Feuchtigkeit, Temperatur etc.), Bahn und Form anpassen.

Mein Ziel ist, dir einige Ratschläge zu geben, die hoffentlich nützlich sind. Vor allem möchte ich dich anregen, darüber nachzudenken.

Der 200 Meter-Lauf ist ein Sprint der verteilten Geschwindigkeit.

Die Frage ist: Wie kann ich meine Energie effektiv über diese Strecke verteilen? Meine Empfehlung ist folgende:

Am Start musst du stark reingehen und richtig drücken, genau wie in einem 100 Meter- Lauf. Das Ziel ist, dass du so schnell wie möglich deine optimale Durchschnittsgeschwindigkeit erreichst.

Vorsicht: Ich spreche dabei bewusst von Durchschnittsgeschwindigkeit und nicht von Maximalgeschwindigkeit. Diese ist die höchste, die du erreichen kannst. Du kannst sie für etwa 10 bis 30 Meter halten.

Was meine ich mit Durchschnittsgeschwindigkeit?
Sie ist die Geschwindigkeit, die ein Athlet über den gesamten Lauf halten kann.

Wie finde ich meine Durchschnittsgeschwindigkeit heraus? Für einen Breitensportler sind es fünf bis zehn Prozent weniger als die höchste Geschwindigkeit.

Bei Profi-Athleten sind es deutlich weniger, etwa ein bis drei Prozent.

Ein Beispiel: Stellen wir uns einen Athleten vor, der die 30 Meter fliegend in 3 Sekunden Maximalgeschwindigkeit läuft. Das wäre eine Sekunde pro zehn Meter. Die Durchschnittsgeschwindigkeit wären dann 1, 05 Sekunden. Daran gemessen könnten wir deine mögliche Durchschnittsleistung so berechnen: 1,05 x 170 Meter = 17,85 + 4,20 auf die ersten 30 Meter + 0,15 Reaktionszeit = 22,20 Sekunden.

Daraus ergibt sich ein Eindruck, wie schnell ein Athlet über 200 Meter sein könnte. Die Variablen sind immer noch viele, und ich werde diese Berechnungen nicht als die 100-prozentig richtigen verkaufen. Trotzdem hast du damit einen Richtwert und kannst durch ihn dein Potenzial besser einschätzen.

Es ist sehr wichtig, dass du die ersten 30 bis 40 Meter so stark wie möglich läufst, um so schnell wie möglich deine Durchschnittsgeschwindigkeit zu erreichen. Was auch sehr wichtig ist: Du musst so energisch wie möglich laufen, dabei aber so entspannt wie möglich bleiben. Wenn du schnell laufen willst, musst du auch entspannt laufen.

Nach 40 bis 60 Metern hast du deine Durchschnittsgeschwindigkeit  erreicht, ab jetzt solltest du versuchen, die Geschwindigkeit zu halten, ohne zu „drücken“. Eine Art von Pause oder besser gesagt von „Flowing“ können die 20 bis 80 Meter sein. Es kommt immer darauf an, wie talentiert du bist und wie trainierst du bist. In dieser Phase solltest du minimal drücken, genau so viel, um deine Geschwindigkeit zu halten, aber nicht mehr, um „Energie“ zu sparen.

Wenn du auf die Zielgerade zuläufst, solltest du wieder mehr drücken.
Viele Trainer sprechen von einem 50 + 100 + 50 Wechsel von Schub, fließen, Schub, oder 50 Meter Schub, + 50 Meter fließen + 50 Meter Schub. Ich bin einverstanden, obwohl die 100 Meter fliegende Phase zu lang wäre. Du solltest das aber selbst ausprobieren und natürlich mit deinem Trainer darüber sprechen. Nur so findest du heraus, wie du am besten die 200 Meter laufen kannst. Wenn du aber denkst, dass du die 200 Meter vom Anfang bis zum Ziel 100 Prozent laufen solltest, dann irrst du dich.

Das heißt, ich kann dir nur einen guten Lauf über 200 Meter wünschen! : D

Daniele Biffi – Mental Coach & Personal Trainer
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